Hallo Kinder,

Tatiana Pongratz mit Muck
Tatiana Pongratz mit Muck

mein Name ist Tatiana Pongratz. Bereits als kleines Mädchen hatte ich ein Gewehr aus Holz und habe mich lieber mit Tieren anstatt Puppen beschäftigt. Aber das ist lange her. Heute gehe ich mit meinem Hannover­schen Schweiß­hund auf die Jagd. Mit so einem Hund sucht man nach verletztem Wild. Mein Beruf ist das Schreiben. Mein Hund schreibt übrigens auch. Und er liest viel und gerne. Allerdings muss ich diese Bücher hinterher meist in die Papier­tonne werfen, weil er beim Umblättern der Seiten etwas unvorsichtig ist. Aber auch sonst macht er eine Menge lustigen Unsinn und davon erzählt er in seinem Tagebuch hier auf Euren „Frischlings-­Seiten“.

Auch werde ich Euch etwas zum Selber­machen vorstellen. Das übernehme lieber ich, denn Muck würde mit Sicherheit alles durcheinander­bringen und vielleicht Teile davon im Gar­ten verbuddeln. Und dann passt am Ende nichts mehr richtig zusam­men. Also Muck: Pfoten weg! 

Mucks Memoiren

Muck, der Hannoversche Schweißhund erzählt seine Geschichten ...

Der Hannoversche Schweißhund „Muck“ langweilt sich manchmal. Und so begin­nt er, ganz heimlich, im Rückblick sein Tagebuch zu schreiben. „Muck“ ist ein Jagd­hund und wird daher eine Art Beruf erlernen. Er hat schiefe Zähne und braucht so etwas wie eine Zahn­spange. Aber sonst ist er ein ganz normaler Hunde­welpe, der mit großen Pfoten durch kleine und große Abenteuer tappt. Diese beginnen erstmal mit einem Abschied und einer Reise von Südtirol in sein neues Zuhause in Deutschland. 

14 () Auch Hunde müssen zum Zahnarzt!

Wie ich Euch in meinem Tagebuch ganz am Anfang ja schon mal erzählt habe, wollte mich erst kein Mensch haben. Weil ich kein schönes Gebiss hatte. Das alles habe ich damals aber noch nicht verstanden. Ich war ja noch ein kleines Hundekind. Schließlich hat mich ja dann mein Fraule vom Züchter mitge­nommen.
Sie fuhr mit mir zu einer Tierklinik, wo es einen Tier­zahnarzt gibt. Er hat ganz vorsichtig meine Schnauze aufgemacht und reingeschaut. „Aha! Das ist ein ungewöhnlich starker Rückbiss. Das muss dringend gemacht werden“, sagte er und erklärte meinem Fraule alles genau. Ich hörte nur mit einem Ohr zu, weil ich nämlich Kekse gerochen habe. Auf einem Tisch stand eine Dose voll davon. Was die Zahnbe­handlung kosten soll wollte mein Fraule wissen? „Hm – also mit allem zusammen, da müssen Sie mit circa 2000 Euro rechnen“, gab der Tierarzt zur Antwort. „Puh ist das teuer, aber da müssen wir jetzt durch“, sagte sie und seufzte.

Ein paar Tage später fuhr mein Fraule mit mir wieder zur Tierklinik. Ich durfte nichts fressen! Der Tierarzt und mein Fraule streichelten mich. Ehe ich mich versah, hatte ich etwas Komisches an meinem rechten Vorderbein. Ich wurde so müde. Ich wollte nur noch schlafen.

Als ich wieder aufwachte, nahm mich jemand auf den Arm. Ich wurde über einen Flur getragen. Der Geruch kam mir bekannt vor. Da konnte ich auch schon die Stimme meines Fraules hören. „Alles gut gegangen, mein Kleiner?“ Sie nahm mich in den Arm. Ach, war das schön, wieder bei ihr zu sein! Sie trug mich hinaus zum Auto. Während der Fahrt nagte ich an dem weißen Band an meinem Fuß. Irgendwie bekam ich das Band aber nicht ab. Etwas war anders mit meinen Zähnen.
„Tja, die unteren Fangzähne sind nun raus. Jetzt müssen die zweiten Zähne nachwachsen. Wenn sie fast rausgewachsen sind, kommen lange Plastik­kronen drauf. Die Kronen führen die neuen Fangzähne außen am Oberkiefer vorbei. Sonst würden sie sich ins Zahnfleisch des Oberkiefers bohren.“ So erklärte es mein Fraule allen in der Familie, Freunden und Bekannten. Später bekam ich allerbestes Hackfleisch serviert. Und einen großen Löffel Trüffel­leberwurst mit einer Tablette drin. „Das ist gegen die Schmerzen“, sagte mein Fraule. Es tat tatsächlich noch ein wenig weh, aber nach dem Einnehmen der Tablette war es schnell wieder gut.

Einen Monat später ging es mir plötzlich sehr schlecht. Mein Kopf war heiß, das Laufen tat mir weh, mein Hals brannte wie Feuer. Mein Fraule fuhr mit mir erneut in die Tierklinik. Eine junge Ärztin untersuchte mich und sagte, ich hätte Fieber. Ich bekam wieder Tabletten gegen die Schmerzen. Davon tat zwar mein Bein nicht mehr weh, aber mein Hals wurde immer schlimmer. Ich konnte ja nicht sagen, dass mein Hals weh tut!

Mein Fraule fuhr daher mit mir zu einem anderen Tierarzt. Er schaute sofort in meinen Hals. „Der arme Hund hat vereiterte Mandeln! Hat man in der Tierklinik nicht in seinen Hals geschaut?“ Mein Fraule schüttelte den Kopf. „Er wurde nur abgehört. Und in die Ohren wurde geschaut.“ – „Nun, der Muck muss einen halben Tag hierbleiben. Er braucht sofort eine Infusion.“ Inzwischen weiß ich, dass da eine feine Nadel in mein Bein gemacht wird. Dann bekommt man ein Medikament da rein. Das wirkt besser als wenn man eine Tablette einnimmt. Der Tierarzt und seine Helferin legten mich in eine Box. An meinem Bein hing ein dünner Schlauch, durch den tropfte aus der Flasche über mir die Medizin. Mir war das alles egal. Dann bin ich eingeschlafen.

Als mein Fraule am Nachmittag zurückkam, ging es mir wieder sehr gut. Das Halsweh war weg! „Gut, dass sie ihn wieder abholen. Wir haben jetzt keine Gutis mehr“, sagte der nette Tierarzt lachend. Er gab meinem Fraule eine Packung Tabletten mit, die sie mir zehn Tage lang zum Einnehmen geben musste. Und sie erhielt die Rechnung, worauf sie wieder seufzte, nachdem sie die Rechnung angesehen hatte.

Als ich das alles längst ver­ges­sen hatte, fing alles von vorne an. Wieder Tier­klinik! Wieder das komi­sche Ding am Vorderlauf! Wieder Tiefschlaf! Zu Hause staun­ten dann alle. „Oh Muck, Du bist jetzt ein Vampir­hund!“, sag­ten sie. Als ich zusammen mit Lilli im Flur in den Spiegel schaute, staun­te auch ich. Lange Zähne stan­den da in meinem Unterkiefer! „Aber damit kannst Du niemanden beißen. Die sind viel zu stumpf“, sagte Lilli, als sie meine neuen Zähne befühlte.
„Das sind vermutlich die teuersten Vampir­zähne überhaupt“, sagte mein Fraule zu den Kindern und ergänzte: „Während der Operation hat mich der Tierarzt angerufen. Er sagte mir, dass Muck kleine knoten­artige Gebilde im Unterkiefer habe. Um die wegzu­machen müsse er etwa eine Stunde länger in Narkose sein. Es sei auch mehr Arbeit gewesen. Letztlich war alles viel teurer als geplant. Und in ein paar Wochen müssen die Kronen wieder weggemacht werden. Das ist dann die dritte Operation.“ Und mich am Kopf streichelnd sagte Fraule zu mir: „Muck, Du bist ein ziemlich teurer Hund, weißt Du das? Aber Du bist ja auch etwas Besonderes. Ein Vampirhund. So einen hat nicht jeder!“

Das lest Ihr in der nächsten Folge von „Mucks Tagebuch”:

Wie ich im Wald einem besonders gefährlichen Tier begegnet bin.

13 Φ In der betörenden Parfumwelt

Heute möchte ich etwas über mein Lieblingsthema erzählen. Parfüm. Wir Hunde schmücken uns gerne mit Gerüchen. Wir machen das, weil uns dann andere Tiere, die wir erjagen möchten, nicht so schnell als Hunde erkennen. Das ist ungefähr so, als würden wir uns verkleiden. Meine Menschen hier zu Hause benutzen auch Parfüm. Aber wenn ich ehrlich bin, riecht das für meine Hundenase nicht so gut.

Ich träume oft von einem Hundeparfümgeschäft. Da dieses Geschäft leider nur ein Traum ist, habe ich meine eigene Methode entwickelt. Am liebsten wälze ich mich in Menschenbetten. Besonders gut riecht es da morgens, nachdem sie nachts darin geschlafen haben. Ich nehme jede Gelegenheit wahr, in das Schlafzimmer von Fraule und Herrle zu gelangen und mich dort nach Herzenslust im großen Bett zu wälzen. Eigentlich darf ich das gar nicht. Aber die Kinder finden das immer sehr lustig. In ihre Betten darf ich natürlich. Am gemütlichsten ist es, wenn sie stundenlang daliegen, ein dickes Buch lesen und ich mich daneben einkuschele.

Doch ich wollte ja etwas über Hundeparfüm erzählen. Das riecht für Menschen immer sehr unangenehm. Es ist nämlich der Geruch von toten Tieren. Liegen die schon etwas länger auf der Erde, sagt man dazu Aas. In dem mögen sich viele von uns Hunden wälzen. Tote Mäuse liegen bei uns öfter im Garten, weil Kater Mikesch sie nicht alle fressen mag. Tote Maulwürfe findet man nicht so oft. Kröten sind sehr langsam und werden deshalb meist von Autos platt gefahren. Sie liegen dann auf Forststraßen im Wald. Das Beste aller Parfüms bietet der Geruch von totem Fisch. Man findet den Duft zumeist am Ufer von Gewässern, wenn etwa ein toter Fisch angeschwemmt wurde.

An einem Samstag nahm mich mein Fraule mit zu einem Jägerfest, das im Wald an einer Jagdhütte stattfand. Es gab einen kleinen Flohmarkt, Würstl vom Grill, Salate, Stockbrot und Getränke. Und es gab auch noch andere Hunde. Da waren ein Kleiner Münsterländer namens „Felix“, die Bayerische Gebirgsschweißhündin „Alma“, die Foxterrierhündin „Rixe“ und „Hektor“, ein großer Deutsch-Langhaar. Nachdem wir uns alle begrüßt und beschnüffelt hatten, hob „Hektor“ plötzlich seinen Kopf. Er sog die Luft ein. Seine Nase vibrierte. „Hm – ich rieche da etwas ganz Köstliches“, murmelte er. „Kommt mit, das müssen wir genauer untersuchen.“

Wir sahen kurz nach unseren Fraules und Herrles, die sich gerade angeregt unterhielten. Das war die ideale Gelegenheit, mal kurz zu entwischen. „Hektor“ führte uns hinter den geparkten Autos ein Stück in den Wald hinein. Jetzt konnten wir es auch riechen - das köstlichste aller Hundeparfüms: toter Fisch. Dort lagen aber viele schon längere Zeit tote Fische! Wie die dorthin gekommen sind, wussten wir nicht. Das war uns aber auch egal. Wir stürzten uns auf die Reste der Fische und wälzten uns alle darin. Ungefähr so, wie sich auch Schweine im Schlamm suhlen. Wir alle waren wir in einem Rausch. Keiner von uns Hunden hatte jemals zuvor so viel dieses kostbaren Hundeparfüms gefunden.

Irgendwann hörte ich mein Fraule pfeifen. Auch nach „Hektor“ wurde gerufen. Wir alle liefen zur Hütte zurück. Zuerst lobte mich mein Fraule. Aber dann: „Boah! Muck! Was hast Du gemacht! Du stinkst ja ganz fürchterlich!“ Meine Hundefreunde wurden ähnlich empfangen. Teilweise rannten die Leute wild durcheinander. Alle hielten sich ihre Nasen zu! Einer der Jäger stellte sich dann auf eine Bank und rief: „Jene Hundebesitzer, die einen stinkenden Hund haben, sollen bitte mit ihren Hunden die Veranstaltung verlassen! Wir müssen hier sonst alles abbrechen.“ Tja. Schade. Ich hätte nämlich gerne noch so ein Würstl vom Grill gehabt.

Enttäuscht sah ich mein Fraule an. „Das haben wir jetzt davon! Warum musst Du dich auch immer in jedem Dreck wälzen! Uah, man kann dich ja nicht mal anfassen! Und hinterher muss ich das ganze Auto schrubben!“ Sie war wirklich sauer. Und so mussten fünf Jäger mit ihren Hunden das gemütliche Beisammensein an der Jagdhütte verlassen. Mein Fraule machte alle Fenster im Auto auf. Ich musste auf einer älteren Decke sitzen, die Fraule im Kofferraum gefunden hatte. Sie fuhr zwar ziemlich schnell, dennoch hielt ich meinen Kopf nach draußen. Immerhin war das jetzt schön. Meine langen Ohren schlackerten im Wind.

Als wir zu Hause waren, musste ich sofort baden. Aber das mache ich ja sowieso sehr gerne. Ich kenne andere Hunde, die hassen das Baden! Zugegeben, das Hundeshampoo riecht nicht so besonders gut für unsere Hundenasen. Aber hinterher werde ich mal schauen, ob vielleicht die Schlafzimmertür auf ist. Und wenn nicht, finde ich im Garten sicher irgendwo noch eine tote Maus.

Das lest Ihr in der nächsten Folge von „Mucks Tagebuch”:

Wie ich zum Zahnarzt musste und hinterher Vampirzähne hatte.

12 • Abenteuer auf dem Markt und im Kaufhaus

Mein Fraule hat mich mal wieder in die Stadt München mitgenommen. Zuerst waren wir am Viktualienmarkt mit seinen vielen Buden und Ständen. Da kann man so ziemlich alles kaufen. Es gibt dort derart viel zu riechen, dass man als Hund fast einen Rausch bekommt. Einen Riechrausch. Und hundsgemein wird es, wenn man von den Leckereien nichts fressen darf. Also weder Fisch im Fischgeschäft noch Wurst beim Metzger. Ich muss ja immer vor der Türe sitzen bleiben, aber wenn die Türe aufgeht, strecke ich immer meinen Kopf vor, um all das Gute zu riechen. Doch auf dem Viktualienmarkt sind ja offene Stände und da bin ich viel näher dran an diesen Leckereien.

Auf jeden Fall muss ich aber ganz arm und verhungert ausgesehen haben, denn plötzlich sagte eine Frau: „Mein Gott, der schaut ja ganz traurig drein mit seinen vielen Falten auf der Stirn. Darf er denn was haben?“ Sie stand da und hielt eine Leberkässemmel in der Hand. Mein Fraule sah zu mir, dann zu ihr und wieder zu mir und ihr Herz wurde auf der Stelle butterweich. „Ja klar darf er was haben.“ Da nahm die Frau einen Bissen und reichte mir fast die ganze Leberkässemmel nach unten. Vorsichtig nahm ich das Geschenk an, schluckte es aber ganz schnell runter. Mein Fraule hat nämlich ab und zu so komische Ideen. Auf keinen Fall wollte ich riskieren, dass sie daraus drei oder vier Rationen macht. Dankbar schaute ich zu der Leberkässemmelfrau auf und wedelte freudig. Vielleicht kauft sie mir ja noch eine? Doch leider verabschiedete sie sich und ging weiter.

Nach einer großen Runde auf dem Markt bekam ich Durst. Mein Fraule bekam auch Durst. Auf Kaffee. Gut, dass manche Wirtsleute an uns Hunde denken. Vor dem Eingang der Kaffeebude stand nämlich eine große Schüssel Wasser, die ich bis auf ein paar Tropfen leer trank. „Hm, die Leberkässemmel war bestimmt viel zu salzig für Dich“, grummelte mein Fraule. „Komm, jetzt muss ich noch ins Kaufhaus, ein Knäuel blaue Wolle für meine Jacke nachkaufen.
Im Kaufhaus war eine lange Rolltreppe. „Nein, wir fahren lieber mit dem Lift, die Wolle ist im 2. Stock.“ Als wir oben ankamen, standen wir aber nicht bei der Wolle, sondern in einer ganz komischen Abteilung mit so Sachen wie Unterwäsche für mein Fraule. In der Mitte war ein großes rundes Ding, das wie ein Baum aussah. Daran hingen auch Sachen zum Anziehen und mein Fraule schaute sich die ein bisschen an.
Mit einem Mal musste ich ganz dringend Pipi machen. Da war dieser Baum eigentlich die einzige Möglichkeit und so setzte ich mich genau darunter. Dumm war nur, dass sich keine Erde unter dem Baum befand. So war da jetzt ein großer gelber See. „Oh nein! Muck! Bist du verrückt?“, stieß mein Fraule leise hervor. Sie zog mich mit der Leine unter dem Baum hervor und lief schnell um ein paar weitere solcher Bäume, bis wir wieder auf dem breiten Gang waren. Während sie mit mir weiterlief, murmelte sie was von schlimm und peinlich. Dann waren wir in der Wollabteilung und in Sicherheit. „Schnell jetzt die Wolle und dann raus hier“, flüsterte Fraule. Zielstrebig steuerte sie zu einem Regal und holte ein Knäuel blaue Wolle raus. „Warte, ich muss noch vergleichen.“ Aus ihrer Geldbörse nahm sie ein Stück der Wolle von daheim und hielt den Faden an das Knäuel nach oben ins Licht.

Plötzlich purzelte aus dem Fach darüber ein anderes Knäuel auf den Boden. Es war viel dunkler. Und da es aussah wie ein Ball, schnappte ich schnell danach. Hm, wie gut es roch! Das war meins. Mein Fraule ging zur Kasse und bezahlte. „So, jetzt zügig nach Hause. Wir fahren aber mit dem zweiten Lift da hinten runter, sonst müssen wir wieder am See vorbei.“ Meinem Fraule war das so sehr peinlich, dass sie in der Aufregung nicht daran dachte, die Pfütze sauber zu machen.
Im Lift trafen wir auf eine Frau mit einem Mädchen. Das war ungefähr so groß wie Lilli. „Wie heißt denn der Hund?“, fragte sie. „Er heißt Muck“, antwortete mein Fraule. „Hat Muck Wolle gekauft?“, fragte das Mädchen weiter. Mein Fraule tätschelte mich am Kopf. „Nein, er war nur dabei. Meine Jacke ist fast fertig und mir fehlte ein letztes Knäuel blaue Wolle.“ Das Mädchen staunte. „Das ist aber schwarze Wolle, die Muck im Maul hat.“ Mein Fraule sah sie mit großen Augen an. Und dann sah sie mich an. Mist. Erwischt. „Muck! Was hast du jetzt schon wieder gemacht? Du kannst doch nicht einfach Wolle klauen!“ Das Mädchen und seine Mutter lachten. „Ja, man sieht die Wolle fast nicht, weil er so ein schwarzes Gesicht hat.“ Mein Fraule musste jetzt auch lachen.
Inzwischen war der Lift unten angekommen. Die Mutter und das Mädchen gingen lachend hinaus, mein Fraule aber drückte wieder auf einen der Knöpfe im Lift. „So, nun fahren wir wieder hoch und bringen die Wolle zurück. Gib aus.“ Hm, irgendwie wollte ich nicht wirklich ausgeben. „Aus!“ Sie war jetzt ärgerlich. Also gab ich das Knäuel aus. Sie zupfte daran herum. „Hm, also gut sieht das nicht mehr aus.“ Sie grummelte, ging zur Kasse und bezahlte mein Wollknäuel. „Er hat das vorhin mitgehen lassen und ich habe es erst im Lift bemerkt“, sagte sie zu der Kassiererin. „Das ist aber nett von Ihnen, dass Sie zurückgekommen sind zum Bezahlen. So etwas machen nicht alle Leute.“ Als wir endlich wieder draußen waren, seufzte sie. „Du bist vielleicht ein Kasperlkopf. Bin gespannt, wie viele Sachen ich noch kaufen muss wegen Dir!“

Das lest Ihr in der nächsten Folge von „Mucks Tagebuch”:

Wie ich in die betörende Parfümwelt eingetaucht bin.

11 * Kranker Ball und explodierender Stock

Heute früh waren wir spazieren und sind dabei einem Kind begegnet. Aller­dings hat mein Fraule das herumspringende Kind nicht gesehen. Sie suchte nämlich gerade meinen Haufen, den ich mitten auf eine Rasenfläche gesetzt hatte. Ich finde es komisch, dass mein Fraule und auch andere Menschen mit Hunden die Haufen von uns Vierbeinern suchen und dann auch noch in Tüten verpacken! „Das gehört sich so“, sagt mein Fraule immer, wenn ich sie verwundert anschaue.

Fraule sah daher auch nicht, dass das spielende Kind einen komischen roten Ball hatte, der ganz seltsam durch die Luft taumelte. Für mich war der Ball krank. Das Kind lief hinter diesem kranken Ball her. Als ich sah, dass es den nicht fangen konnte, lief ich hin. Klar, ich war schneller als das Kind und packte den kranken Ball. Der muss wirklich sehr krank gewesen sein, denn er machte ganz laut „Pääängg!“, als ich ihn mit meinen Zähnen erwischte. Und dann war der Ball weg. Es lag nur noch ein roter Fetzen da. Da begann das Kind zu schreien!

Mein Fraule kam mit der Tüte in der Hand angelaufen. Gleichzeitig kam ein Mann angerannt, der mein Fraule anschrie. Sie entschuldigte sich bei ihm für mein Verhal­ten. Es war ihr sehr unange­nehm. Der Mann nahm das Kind auf den Arm und trug es weg, während ich wieder ein­mal die Welt nicht mehr verstand. Der kranke Ball war erledigt, also hatte ich ganze Arbeit geleistet! Mein Fraule seufzte und hob den toten Ball auf. „Das war ein Luftballon, du Dummchen. Jetzt ist das kleine Mädchen traurig.

Auf dem Heimweg warf sie den Luftballon und die Haufentüte in einen Abfall­eimer. „Wir fahren später lieber in den Wald, da gibt es für Dich anderes zu tun“, sagte sie. Zuhause legte ich mich in mein Hundebett und schlief erstmal eine Runde.

Mittags kamen die Kinder vom Fraule von der Schule heim und es gab wie immer ein gutes Mittagessen. Danach spielten sie mit mir und versteckten meinen Kuschelhund. Das machen sie immer, bevor sie zum Hausaufgaben­machen in ihre Zimmer gehen. „Ich fahre später mit Muck in den Wald zum Fährtenlegen“, rief ihnen mein Fraule von der Küche aus zu. „Ist gut, Mama“, war die Antwort.

Am Nachmittag fuhren wir in den Wald. Die Fährtenschuhe lagen vor dem Beifahrersitz, das konnte ich riechen. Im Wald angekommen, darf ich mit meinem Fraule immer erst eine große Schnüffelrunde laufen. Am Nachmittag sind dort meist nicht so viele Leute unterwegs. Dieses Mal jedoch begegneten wir einem sehr großen, schlanken Mann. Er hatte einen langen Stock mit einem Hakengriff. Dieser hing an seinem Unterarm, den er angewinkelt am Körper trug. Am anderen Unterarm hatte sich eine kleine Frau eingehakt. „Ah! Das ist ja ein Schweißhund!“, rief er und blieb stehen, als wir gerade an ihm vorbei wollten.

„Ist ihr Mann Jäger?“, fragte er. Mein Fraule blieb stehen. Sie begann zu lächeln. „Nein, ich bin der Jäger bei uns.“ Er zog die Augenbrauen hoch und sah sie erstaunt an. „Ach, das ist ja schön!“, sagte die kleine Frau. „Wissen Sie, ich liege meinem Mann schon seit Monaten in den Ohren mit dem Jagdkurs.“ Der Mann räusperte sich. „Ach, das ist jetzt nur Mode. Du musst nicht alles mitmachen.“

Dann nahm er den Stock vom Arm, hielt ihn ein Stück weit weg und „Plopp“ machte es. Der Stock explodierte wie eine schwarze Stoffrakete über mir. Ich stand da und wedelte freudig mit dem Schwanz. Ich dachte nämlich, er will mit mir spielen! Mein Fraule sah fragend in den Himmel. „Oh, regnet es? Haben sie etwas gespürt?“ Der Mann klappte seine Stoffrakete, welche ein Regenschirm war, wieder zusammen. „Ach, das war nur ein kleiner Test für ihren Hund. Ich bin auch Jäger. Er scheint ja ein wackeres Kerlchen zu sein. Viel Freude noch.“ Mit zwei Fingern tippte er grüßend an die Stirn und ging mit seiner Frau weiter. Wir konnten noch hören, wie sie eifrig auf ihn einredete. Bis er laut wurde. „Jetzt hör endlich auf damit! Wie viele Kurse willst Du noch machen? Du hast den Segelschein, den Motorradschein, den Golfkurs hast du gemacht. Reicht das denn nicht?“ Kurz darauf hörte ich hinter uns die kleine Frau nach meinem Fraule rufen. Sie war uns nachgelaufen. „Moment, warten sie bitte. Können sie mir helfen?“ Sie war völlig außer Atem. „Wo mache ich am besten einen Jagdkurs? Mein Mann ist zwar dagegen, aber jetzt will ich ihn erst recht machen.“ Sie ging mit uns und auf dem Weg erklärte mein Fraule ihr alles. Als wir zurück zum Parkplatz kamen, war ihr Mann bereits da. Er lehnte an einem großen Auto und wartete. „Ich habe den Autoschlüssel!“, kicherte die Frau leise. „Na, haben sie jetzt eine Schülerin?“, sagte er lachend und legte seiner viel kleineren Frau den Arm um die Schulter. Er hatte gar keine schlechte Laune mehr. Sie verabschiedeten sich von uns. Ich durfte in meine Auto-Box springen und ein bisschen schlafen. Fraule lief dann mit den Fährtenschuhen los, um für mich eine Übungsfährte zu legen.

Das lest Ihr in der nächsten Folge von Mucks Tagebuch: Wie ich auf dem Münchner Viktualienmarkt meine erste Leberkässemmel bekam und später in einem Kaufhaus einen Baum fand.

Das lest Ihr in der nächsten Folge von „Mucks Tagebuch”:

Wie ich auf dem Münchner Viktualienmarkt meine erste Leberkässemmel bekam und später in einem Kaufhaus einen Baum fand.

10 * Abenteuer im Einkaufszentrum

Nach meiner ersten Übungsfährte im Wald war wieder mal eine ganz normale Lektion dran. Also so eine, wo man als Hund für das ganz normale Leben lernen muss. Und da mein Fraule der Meinung ist, dass ein Hund auch im größten Trubel klarkommen sollte, nahm sie mich mit in ein Einkaufszentrum. Das ist ein meistens riesiges Gebäude, in dem etliche große, aber auch viele kleine Geschäfte sind. Wir sind da aber nicht nur wegen mir hingegangen. Fraule wollte wegen sich selbst da hin, weil sie dringend eine neue Hose brauchte.

Wie ich feststellen musste, ist mit einer Frau einkaufen zu gehen nicht unbedingt ein Vergnügen. Fraule sah überall etwas! Sie kaufte dann nicht einfach eine Hose, sondern sie probierte bestimmt vier oder fünf Hosen in ebenso vielen Geschäften an! Um sich am Ende doch für die Hose vom zweiten Geschäft zu entscheiden. Und dazu mussten wir wieder den ganzen Weg zurücklaufen. Inmitten von vielen Menschen und vor allem schreienden Kleinkindern. Ich habe versucht, meine Ohren ganz tief abzuklappen, aber es war mir trotzdem zu laut.

Auch war mir sehr langweilig. Doch das änderte sich schlagartig, als wir zum nächsten Geschäft kamen. Mein Fraule sah im Schaufenster ein Kleid und starrte es wie gebannt an. Ich kannte diesen Blick inzwischen. „Das muss ich unbedingt anprobieren“, sagte sie und schon waren wir drin. Sie fragte eine Verkäuferin nach dem Kleid. „Einen Moment, wir haben noch ein Modell hier, ich bringe es gleich“, sagte diese.

Und dann ging es mir plötzlich wie meinem Fraule. Ich sah etwas! Nein, kein Kleid. Ich sah ein Tier! Da war ein langes Felltier. An einem Mantel, an einer Frau. Unten an ihrem Mantel hing dieses Tier dran und ich sah, wie es sich ganz langsam bewegte.

„Hier ist das Kleid“, sagte die Verkäuferin. „Danke! Wo finde ich die Kabinen bitte?“, entgegnete mein Fraule. Die Verkäuferin wies uns den Weg. Ich warf noch einen Blick auf das Felltier. Es war klar, dass ich das unbedingt klären musste. Wir gingen zu diesen Kabinen. Das sind enge Nischen mit einem Vorhang, den man zuziehen kann. Es gab mehrere Spiegel dort. Mein Fraule schälte sich erst mal aus ihrem Mantel, zum fünften Mal aus ihrer Hose und ihrem Pulli und T-Shirt. Dann schlüpfte sie in das Kleid, drehte sich vor dem Spiegel. „Muck, was meinst du? Steht mir das? Der Schnitt ist ja gut. Aber ich weiß nicht so recht mit dem vielen Lila in dem Muster.“

Abermals drehte sie sich. Mir gefiel sie in ihrer Jagdkleidung besser. Dann zog sie sich das Kleid über den Kopf, aber irgendwas schien sich verhakt zu haben. Sie steckte in dem Kleid fest und konnte nichts mehr sehen und hören. Hach! Das war mein Moment. Leise stand ich auf und schlüpfte samt Leine unter dem Vorhang aus der Kabine. Da war es ja, das Felltier. Ich schlich ich mich an. Und dann packte ich es. Es wehrte sich erst gar nicht! Ich packte fester und zog. Das Felltier ließ aber den Mantel nicht los und ich ließ das Felltier nicht los. „Rrrrumms“ machte es, und die Frau lag auf dem Boden. Beinahe wäre sie auf mich draufgefallen! Ich knurrte böse, aber das Felltier wollte den Mantel immer noch nicht loslassen.

„Ein Hund! Wem gehört der Hund!“, schrie jetzt eine Frau an der Kasse. Die Verkäuferin kam angelaufen. „Ach, der gehört doch dieser Dame mit dem Kleid ...“ und lief zu den Kabinen. Ich war jetzt ziemlich ärgerlich und schüttelte das Felltier ordentlich. Plötzlich hörte ich mein Fraule. „Muck! Bist du verrückt? Was machst du da! Aus!“ Okay, das Kommando „Aus“ kannte ich inzwischen nur zu gut. Das habe gleich von Anfang an gelernt. Ich sah sie verwundert an. Ich habe doch gerade dieses Felltier gefan­gen und wollte es unschädlich machen. Es hätte bestimmt den Mantel gefres­sen! Die Verkäuferin stellte die Mantel­frau wieder hin. Sie war nur eine Schaufensterpuppe. Der Mantel sah noch gut aus. Allerdings hatte ich das Felltier doch ganz schön erwischt. Es hing an einer Stelle runter. Aber es bewegte sich nicht mehr. „Was machen wir jetzt?“, fragte mein Fraule. „Ich kann es meiner Haftpflicht­versicherung melden. Oder ich muss den Mantel kaufen.“ Die Verkäuferin zuckte mit den Schultern. „Hm. Das überlasse ich jetzt ihnen. Aber sie sehen selbst, der Pelz ist abgerissen.“

Mein Fraule betrachtete den Mantel. „Ich probiere ihn mal an“. Sie nahm ihn von der Schaufenster­puppe ab und schlüpfte hinein. Und was soll ich sagen? Sie sah richtig gut aus darin! „Der steht ihnen wirklich ausge­zeichnet! Ich glaube, ihr Hund hat das instinktiv gemerkt und wollte, dass sie den Mantel nehmen und nicht das Kleid“, lachte die Verkäuferin. „Ich glaube, sie haben Recht!“, lachte mein Fraule mit. „Er ist auch stark reduziert, weil der Winter ja bald vorbei ist“, sagte die Verkäuferin. „Okay, sie und mein Hund haben mich überredet. Ich nehme ihn.“ Gut gelaunt, mit mir an der Seite und mit einer großen Tüte an der anderen Hand, ging sie aus dem Geschäft. Die Verkäuferin und die Kassiererin winkten uns noch hinterher. „Du bist mir vielleicht so eine Einkaufs­begleitung! Aber für ein männliches Wesen gar nicht so schlecht“, sagte sie zu mir, als wir das Einkaufs­zentrum verließen.“ Trotzdem war ich sehr froh, als wir wieder im Auto waren. Endlich Ruhe und kein Kindergeschrei mehr. Das mit der Hose hatte sie anscheinend vergessen. Aber die soll sie dann lieber alleine kaufen gehen.

Das lest Ihr in der nächsten Folge von „Mucks Tagebuch”:

Wie ich einen kranken Luftballon erlöste und der Mann im Wald seinen Regenschirm explodieren ließ.

9 * Hunde können mit der Nase sehen

Wie schon von meinem Fraule gestern angesagt, sollte ich heute eine Fährte mit diesen Schuhen arbeiten. Nach dem Frühstück fuhr sie mit mir in den Wald. Zuerst gingen wir eine große Runde spazieren. Als wir hinterher wieder am Auto waren, durfte ich in meine Box. Ich war müde und rollte mich zusammen. Dann sagte sie „schön bleiben“ und sperrte das Auto ab. Nach einiger Zeit war sie wieder zurück und wir fuhren heim. „Wie lange muss der Muck jetzt warten bis zum Suchen?“, fragte Lilli später beim Mittagessen.

„Also das sind heute sechs Stunden. Aller­dings fing es beim Fährtenlegen zu schneien an. Und blöderweise hatte ich das Markierungsband hier vergessen. Ich habe einen Ast auf den Weg gelegt. Wenn ich Pech habe, ist er unter dem Schnee und ich finde den Anfang der Fährte gar nicht mehr.“

Lilli sah zum Fenster. „Schau mal raus, Mama!“ Dicke Flocken fielen vom Himmel. „Na, das kann ja lustig werden“, seufzte mein Fraule. Ein paar Stunden später waren wir wieder im Wald. Ich bekam diesmal ein Geschirr angelegt mit dieser leuchtenden Leine dran. Sie führte mich ein Stück weit den Weg entlang, dann bogen wir in den Wald ein. Überall Schnee. Hier war noch niemand gelaufen. „Hm, das muss die Rückegasse sein. Aber wo bin ich jetzt nur rein! Muck – Platz! Und Bleib“, sagte sie. Ich legte mich brav hin. Sie lief ein Stück vor, ging ein paar Meter in den Wald. Ich konnte sie ärgerlich grummeln hören. Jetzt hielt ich es nicht mehr aus! Ich stand einfach auf und lief zu ihr. Sie war so enttäuscht, dass sie mich nicht mal wegen des Aufstehens zu meinem Platz zurückbrachte wie sonst.

„Muck, ich finde den Anfang nicht mehr! Ich bin aber auch selber schuld, wenn ich die Hälfte zu Hause vergesse. Und dann der Schnee dazu. Egal, dann gehen wir eben nochmal spazieren.“ Sie nahm meine lange Leine kürzer und wir stapften auf dem Weg weiter. Plötzlich hatte ich etwas in der Nase das sooo gut roch. Da rechts im Wald, da war etwas. „Muck, was willst du da drin? Komm weiter.“ Ich ließ mich aber nicht beirren. Mit aller Kraft zog ich zu dem Geruch, den ich längst kannte. „Hm, das ist ja auch eine Rückegasse.

Hab ich mich etwa vertan?“, hörte ich Fraule hinter mir vor sich hin murmeln. Ich hatte die Nase im Schnee und begann zu graben. Der Schnee wurde ein bisschen rot, weil da Schweiß, also Blut vom Wild war. „Das gibt’s doch nicht, Muck! Das ist der Fährtenanfang. Du hast den Anfang selber gefunden!“ rief sie ganz begeistert. Ich ging der Fährte nach. So lange, bis ich die ver­schnei­te Schwarte, also das Fell des Wild­schweins fand. Darunter lagen diese Fährtenschuhe mit den ange­schnallten Schalen.

Mein Fraule freute sich ganz unglaub­lich und kugelte mit mir im Schnee herum. Danach öffnete sie eine Plastik­box, die unter den Schuhen versteckt war. Darin war richtig gutes, frisches Fleisch. Sie war nicht nur froh, dass ich die Fährte gefunden hatte. Sie war auch froh wegen der Schuhe. „Die waren nämlich ganz schön teuer“, erzählte sie später beim Abendessen. „Ach übrigens, wenn wir schon bei teuren Schuhen sind. Der linke von meinen silbernen Ball-Schuhen ist weg. Ich hatte sie extra in mein Zimmer getan und jetzt fehlt einer“, warf Emma ein. „Dann wird das wohl nichts mit dir als Schneewittchen beim Faschingsball“, sagte Valentin und grinste. „Vielleicht hat der Muck den Schuh verschleppt. Er mag ja Schuhe, wie wir alle wissen.“
Ich hörte genau zu. Oh, da dämmerte mir etwas. Vorgestern konnte ich diesen hübschen Glitzerschuhen einfach nicht widerstehen. Und die Haustür war auf und ich lief raus, um nach dem Eichkatzerl zu sehen. Aber dann hat mich Lilli zu sich an die Tür gerufen. „Ich schlage vor, ihr geht morgen früh im Hellen mal mit Muck raus und lasst ihn suchen. Haltet ihm den anderen Schuh hin und schickt ihn mit dem Kommando „Such“ los. Vielleicht klappt’s ja“, sagte mein Fraule lachend.

Der nächste Tag war ein Samstag und die Kinder mussten nicht in die Schule. Gleich nach dem Frühstück kam Emma mit dem anderen Schneewittchenschuh und die Kinder gingen mit mir in den Hof. „Such! Muck such“, sagte sie und hielt mir den Schuh hin. Ich wusste natürlich genau, was sie wollte! Kurz schnüffelte ich an dem Schuh und dann hielt ich meine Nase in den Wind. Der Schuh lag in der Ecke, wo immer das Eichkatzerl über den Zaun klettert. Schnell hatte ich ihn aus dem Schnee gebuddelt und wollte ihn im Haus in Sicherheit bringen. Die Kinder liefen mit einem „Er hat ihn! Er hat ihn!“ hinter mir her und Emma nahm mir den Schuh dann im Flur ab. Gottseidank schimpfte sie mich nicht! Im Gegenteil. Ich wurde wieder mal sehr gelobt und Emma schmierte mir dafür extra ein Brot mit Trüffelleberwurst. Hmmm, das schmeckte vielleicht gut!

Da kam mir eine Idee: Also wenn das so ist, kann ich ja ein Geschäft daraus machen. Ich verstecke Schuhe und bekomme dafür ein leckeres Leberwurstbrot!

Das lest Ihr in der nächsten Folge von „Mucks Tagebuch”:

Wie ich mit meinem Fraule in einem Einkaufszentrum war und in einem Geschäft ein Felltier gefangen habe.

8 * Auch Hunde bekommen Pakete!

Als ich heute Vormittag mit meinem Fraule im Garten war, fuhr ein großes gelbes Auto in den Hof. „Ah! Die Paketpost! Darauf habe ich schon gewartet“, freute sie sich. Der Fahrer blieb im Auto, machte aber sein Fenster auf. „Bitte tun Sie den Hund weg“, sagte er. „Hallo, Sie brauchen keine Angst zu haben. Passen Sie mal auf.“ Dann führte mich Fraule zum Fußabstreifer in der offenen Eingangstür. „Platz“, sagte sie. Ich legte mich hin. Und dann „Bleib“. Dazu zeigte sie mit der flachen Hand zum Boden. Das hatte ich ja schon alles von ihr gelernt. Dann ging sie ganz langsam zu dem Mann. Dabei passte sie gut auf, dass ich liegen blieb.

„Der Hund beißt nicht?“, fragte der Mann. „Nein, er muss da jetzt liegen bleiben. Beachten Sie ihn einfach nicht“, beruhigte Fraule ihn. Er hielt ihr ein komisches Ding hin und sie schrieb etwas darauf. Dann machte er die Autotür auf. Ich konnte ihn jetzt riechen. Ich wollte schon aufstehen, als ich sofort wieder „Bleib!“ hörte und das Handzeichen sah. Okay, das war jetzt ernst gemeint. Der Mann holte schnell zwei Pakete aus dem Auto und stellte sie auf den Boden. Eines der Pakete roch richtig gut! Als er wieder im Auto war, lächelte er sogar. „Ist wirklich brav der Hund. Ich habe Angst vor Hunden, seit mich einer ins Bein gebissen hat.“ Fraule antwortete ihm „Das tut mir leid. Aber genau darum muss mein Hund jetzt lernen, dass er das nicht darf. Danke, dass Sie gerade so gut mitgemacht haben! Auf Wiedersehen!“ Der Mann winkte und fuhr los.

Mein Fraule kam zu mir und ich durfte aufstehen. Sie lobte mich sehr. Jetzt aber musste ich sofort dieses eine Paket untersuchen. „Ja, das riechst Du schon, oder? Da ist dein Hundefutter drin“, sagte sie. „Und im anderen Paket sind unsere Schuhe drin“. Unsere Schuhe? Was meint sie wohl damit? Egal, mir war dieses Paket mit dem Futter wichtiger. Fraule trug beide Pakete in die Wohnung und wäre beinahe über mich gestolpert, weil ich sie dauernd umkreiste. Gott sei Dank machte sie zuerst mein Paket auf! Mir lief doch schon das Wasser im Mund zusammen. „Oh! Was ist denn das!“, rief sie. „Da ist ja ein Hund!“ Wie bitte? Ein anderer Hund? Was hat da ein Hund in meinem Paket zu suchen! Dann lachte sie und hielt einen Kuscheltierhund hoch. „Schau mal Muck. Das ist Ersatz für den Weihnachts-Elch. Aber mach ihn nicht wieder kaputt, hörst Du?“ Sie hielt mir den Hund vor die Nase. Aha! Er roch auch sehr gut. Aber ich wusste ja inzwischen, dass da drin nur langweilige Watte war.

Mich interessierten die anderen Sachen in dem Karton viel mehr. Dosen kamen zum Vorschein und eine große Tüte. Und zwei kleinere Tüten mit Leckerli. „Schau mal, Muck. Eine extra kleine Tüte für dich.“ Ich wedelte. Es waren kleine Keksherzen. Sie schmeckten ausgezeichnet. „So – und jetzt schauen wir unsere Schuhe an“, sagte sie. Ich blieb noch bei ihr. Sie sagte ja „unsere“ Schuhe. Vielleicht konnte man die essen? Es war immer so spannend, wenn ein Paket geöffnet wurde! Und ich liebe es, hinterher mit den Kartons zu kämpfen. Das macht unglaublich viel Spaß.
Aber was dann zum Vorschein kam, verschlug mir die Sprache. Was für komische Schuhe! Sie hatten dicke schwarze Sohlen und blaue und gelbe Bänder zum Anschnallen. Hinten dran waren große Metallgriffe.

 

Dass Frauen komische Schuhe tragen, weiß ich ja inzwischen. Vor allem Emma hat so ähnliche Schuhe mit dicken Sohlen. Und hinten ganz hoch. Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie schnell sie damit laufen kann. Sie wird sicher neidisch sein auf ihre Mama wegen dieser Schuhe. „Muck, das sind Fährtenschuhe. Für dich und mich. Da werden die Läufe von zum Beispiel einem Wildschwein eingespannt.

 

Damit laufe ich durch den Wald und lege eine Fährte für dich. Und ein paar Stunden später oder am nächsten Tag musst du der Fährte nachgehen. Am Ende liegen dann die Schuhe mit den Läufen und eine Überraschung.“ Hm. Ich bin zunächst einmal gespannt, wie das gehen soll. Sie stellte diese seltsamen Schuhe auf das Fensterbrett in der Küche.

„So, und jetzt müssen wir noch schnell Käse, Eier und Spätzlemehl einkaufen. Die Kinder haben sich heute Kässpätzle zum Mittagessen gewünscht. Es ist höchste Zeit! In ziemlich flottem Tempo gingen wir zum Supermarkt. Als wir vom Einkaufen zurückkamen und uns dem Hoftor näherten, kam mir ein besonderer Geruch entgegen. Den kannte ich doch! Ich hob die Nase, um mehr davon zu wittern. Er kam von der Haustür. Ein großer schwarzer Sack stand da. „Also was soll das jetzt?“, wunderte sich mein Fraule.

Der Sack war oben mit einem Draht zugebunden. Ein Zettel lag darauf. „Ein Freiburger Übungs-Wildschwein für Muck. Viel Spaß und Erfolg!“ las sie laut vor. „Ach, das ist ja toll! Der Sack kann dort nur vom Michl, dem Förster aus dem Schwarzwald, abgestellt worden sein. Das ist ja wirklich nett, dass er uns das mitgebracht hat“, freute sie sich. „Muck, dann können wir direkt morgen nach dem Frühstück loslegen.“ Sie stellte den Sack hinters Haus und sah auf ihre Uhr. „Oh, ist das schon spät! Schnell rein in die Küche, sonst haben wir heute kein Mittagessen. Hoffentlich finde ich den Spätzlehobel! Den habe ich schon so lange nicht mehr benutzt.“

Das lest Ihr in der nächsten Folge von „Mucks Tagebuch”:

Meine erste Übung im Wald und die Suche nach dem verschwundenen Schneewittchenschuh.

7 ⇑ Abenteuer in der Stadt

Nach der großen Jagd und meiner ersten Nachsuche hat mein Fraule das Zweiglein in einer kleinen Vase auf das Fensterbrett im Wohnzimmer gestellt. Beim Abendessen musste sie den Kindern alles genau erzählen. Sie waren sehr stolz auf mich. „Aber jetzt ist wieder Stadtprogramm angesagt“, sagte Fraule dann. „Am Dienstag habt ihr ja länger Schule, da will ich meine Freundin Susanne besuchen. Sie hat einen kleinen Sohn in dem Alter wie dieser eine Junge, der Muck an der Haltestelle getreten hat. Das ist wieder eine gute Übung für ihn.“

Und so sind wir an besagtem Dienstag in ein anderes Viertel gefahren, um ihre Freundin Susanne und ihren Sohn zu besuchen. Zuerst ratterten wir mit der Tram eine ganze Weile auf den Schienen dahin. Dann mussten wir aussteigen und eine Treppe runter laufen, wo viele Leute sehr in Eile waren. Wir hielten vor einer Tür und mein Fraule drückte auf einen Knopf. „So, jetzt wirst du mal Aufzug fahren. Das ist neu.“, sagte sie. Ich saß brav neben ihr und wartete. Es summte komisch. Dann, wie von Geisterhand, öffnete sich eine Tür zu einer Kabine. Mein Fraule ging hinein und ich folgte ihr. Klar, wenn sie das so macht, kann ich das auch.
Sie drückte erneut auf einen Knopf. Die Tür ging wieder zu und dann fühlte ich ein Kitzeln im Bauch. Als wir kurz darauf die Kabine verließen, kam eine andere Bahn. Die nennt sich U-Bahn. Das „U“ steht für Untergrund, weil die in einem Tunnel weit unter der Erde fährt. Wir stiegen ein und alles ging ziemlich schnell. Nachdem wir am Ziel ausgestiegen waren, herrschte großes Gedränge und mein Fraule nahm mich auf den Arm. Diesmal fuhren wir nicht mit dem Lift, sondern wir stan­den auf einer komi­schen Trep­pe, die von alleine lief. „So, jetzt bist du auch noch Rolltreppe gefah­ren. Volles Programm heute! Du machst das wirk­lich sehr gut.“

Ich war trotzdem froh, als wir wieder draußen an der frischen Luft waren. Nach einem kurzen Stück auf einer lauten Straße mit Autos und sehr schnell fah­ren­den Leuten auf Rädern standen wir vor einem großen Haus. Mein Fraule tipp­te auf ein Schild mit vielen Namen und Knöpfen. Es summte. Sie drückte die schwere Tür auf. „Komm, wir laufen die Treppe hoch. Ist ja nur der 2. Stock“, sagte sie. Als wir oben waren, stand ihre Freundin schon da und lachte uns entgegen. „Oh, ist der aber süß“, rief sie und streichelte mich. „Fabius schau mal! Wir haben einen Hund zu Besuch!“
Und da kam Fabius auch schon. Er war aber nicht so klein wie der Junge, der nach mir getreten hatte. Er kniete sich auf den Boden und hielt mir seine Hand entgegen. „Das haben wir im Kindergarten gelernt, dass man einen Hund erst schnüffeln lassen soll.“ – „Das machst du genau richtig!“, sagte mein Fraule. Dann gingen wir alle in die Wohnung. Es roch ganz anders als zu Hause. Susanne und mein Fraule tranken Kaffee und redeten ständig. Fabius ging wieder in sein Zimmer und machte die Tür zu. „Er baut gerade an seinem Lego-Auto, das er an Weihnachten bekommen hat“, sagte Susanne.

Und ich? Mir war langweilig. Ich schnüffelte in der Wohnung herum. Ah! Eine offene Tür! Es war dunkel. Es roch wie zu Hause im Bad. Es war auch ein Bad! Und es gab eine Badewanne. Das wäre jetzt zu schön gewesen. Ich stellte mich auf die Hinterbeine. Ah … diese Wanne war nicht so hoch. Ein paar Versuche, und ich war in der Wanne. Allerdings war sie ohne warmes Wasser. Ich wartete. Und wartete. Und wartete noch länger. Und dann wurde ich müde und legte mich hin. Plötzlich hörte ich „Oh! Da ist ja der Muck in der Wanne!“ Das Licht war an und drei Köpfe sahen auf mich herab. Einer davon gehörte meinem Fraule. „Was machst denn du in der Wanne!“ rief sie, lachte, und hob mich raus. Sie fanden das alle ziemlich lustig. Ich hätte einfach zu gerne wieder gebadet.

Beinahe wäre es am Abend auch so weit gewesen. Als wir nämlich auf dem Heimweg wieder U-Bahn fuhren, trafen wir unten im U-Bahn-Keller einen komischen Mann. Er saß neben einem Fahrkartenkasten auf dem Boden und sah sehr traurig aus. Lange Würste aus Filz hingen an seinem Kopf. Und er hatte einen langen Bart, der so aussah wie die Filzpantoffeln meines Fraules. Also damit war er für mich ein Filzmann.

Der Mann roch auch nicht wie die Menschen sonst riechen. Aber an einer Stelle roch er für mich bes­ser, und zwar an seinem Filzbart! Da hingen nämlich Spaghetti drin. Und ich hatte mittler­weile Hunger. Die Nudeln sahen zwar nicht schön aus, aber es schmeckte nicht schlecht! Ich leckte alles was im Bart hing weg und darüber lachte er so sehr, dass ihm Tränen aus den Augen liefen. Er nahm mich in seine Arme.
Mein Fraule bekam das mit dem Essen im Bart zunächst nicht mit, denn das Geld für die Fahrkarte schepperte immer wieder in den Rückgeldkasten. „Blöder Fahrkartenautomat! Das Geld fällt immer durch!“ schimpfte sie. Dann merkte sie aber doch, dass ich immer wieder den Bart des Mannes ableckte. „Bah, Muck! Aus! Was machst du da! Entschuldigen Sie bitte, er ist noch so klein…“ Sie klemmte mich unter den Arm und lief eilig zu einem anderen Automaten, der endlich das Geld nahm und dafür eine Fahrkarte zurückgab. Als wir später wieder zu Hause waren, zog sie nicht mal ihre Schuhe aus, sondern lief sofort mit mir ins Bad. Dort nahm sie einen Waschlappen und wusch mir mit ganz viel Wasser und Hundeshampoo das Gesicht und meine langen Schlappohren. Dabei hat sie dauernd grantig vor sich hingemurmelt. Ich glaube, es hat ihr überhaupt nicht gefallen, dass ich dem Filzmann das Essen aus dem Bart geschleckt hatte. Dabei war aber der Mann vorher sehr traurig und ich habe ihn doch zum Lachen gebracht! Leider durfte ich an diesem Abend nicht mehr zu ihr aufs Sofa und sie auch nicht mehr küssen.

 

Das lest Ihr in der nächsten Folge von „Mucks Tagebuch”:

Zwei Pakete sind gekommen! Post mit komischen Schuhen für mein Fraule und für mich eine besondere Lieferung aus Freiburg.

6 ∗ Ein kaltes Bad und meine erste Nachsuche

Nachdem ich Silvester ohne irgendwelche Probleme überstanden hatte, kamen ein paar ruhige Tage. Die verbrachte ich vor allem mit den Kindern. Als dann die Schule wieder anfing, war es etwas langweilig. Dafür ging mein Fraule heute mit mir einen anderen Weg spazieren als sonst. „So, hier kannst du ein wenig frei laufen“, sagte sie und machte die Leine von meinem Halsband ab.
Es war ein Weg mit vielen Bäumen auf der rechten Seite. Auf der linken Seite ging es runter zu einem anderen Weg, der viel breiter war und mit Schnee bedeckt. Da hatte ich plötzlich einen besonderen Geruch in der Nase, der direkt zu dieser breiten Schneefläche ging. Ich hörte mein Fraule „Muck! Halt!“ rufen. Aber der Geruch war sooo verlockend, dass ich einfach weiterlief.

Plötzlich gab es einen seltsamen Krach unter meinen Beinen. Dann war es wie zu Hause in dem weißen Becken mit Wasser. Nur hier war es eiskaltes Wasser! So kalt, dass ich fast keine Luft mehr bekam. Ich strampelte wie wild. Das Wasser war unter mir und über mir, einfach überall! Da spürte ich einen harten Griff und dann hatte ich wieder festen Boden unter meinen Pfoten. „Oh mein Gott, was bist Du nur für ein verrückter Hund!“, hörte ich Fraule sagen. Sie steckte mich, so klatschnass wie ich war, unter ihren Mantel und lief mit mir ganz schnell nach Hause.

Dort rubbelte sie mich wieder mit einem großen Tuch ab. Ich zitterte immer noch. Daher legte sie sich mit mir auf’s Sofa und deckte uns beide bis obenhin zu. Später, als die Kinder aus der Schule kamen, hatte sie wegen mir nichts gekocht. „Heute gibt es Tief­kühl­pizza. Muck ist beim Gassi gehen im Kanal eingebrochen, weil ich nicht richtig aufgepasst habe. Obwohl da ein Schild steht, dass man nicht auf das Eis gehen soll. Ihr seht also, auch mir können wirklich dumme Sachen passieren. Gott sei Dank habe ich ihn sofort rausziehen können.“

Die Sache mit meinem Einbrechen in das Eis erzählt Fraule heute noch rum. Weil man als Hund normaler­weise dann nie mehr ins Wasser gehen mag. Aber damals kannte sie mich noch nicht wirklich.

Ein paar Tage nach diesem Abenteuer durfte ich mit zu einer Jagd bei einem Freund. Fraule war von ihm eingeladen worden. „Ich gehe heute als Treiber“, sagte sie zu dem Freund, der alle Jäger in Gruppen einteilte. „Im Auto ist es zu kalt für den Welpen. Es ist besser, wenn er sich bewegen kann. Außerdem gewöhnt er sich an die Schüsse.“ – „Dann geh aber mit mir, nicht dass du dich verläufst. Und mach den Kleinen am besten an eine Schleppleine oder ein dünnes Seil, damit er frei laufen kann und du ihn trotzdem im Griff hast.“ Gesagt, getan. Eine halbe Stunde später hatte ich eine hellrot leuchtende Schnur an meinem Halsband. Sie war zwar sehr lang, aber leicht.
Mein Fraule rief immer „Hopp, hopp“ und schlug mit einem Stock an die Bäume. Ich hingegen schnüffelte so unglaublich viel im Wald, dass ich nach einiger Zeit sehr müde wurde. Und immer langsamer. Mir fielen die Augen zu. Ich blieb stehen, dann legte ich mich hin. Ich wollte jetzt hier bleiben und schlafen. „He kleiner Mann! Das geht nicht. Wir können hier nicht einfach abbrechen und schlafen“, sagte mein Fraule. Sie nahm mich auf den Arm und hat mich getragen. Zwar konnte sie nicht mehr mit dem Stock an die Bäume klopfen, aber hin und wieder rief sie „Hopp, hopp“.
Es war so kuschlig schön, von ihr getragen zu werden. Ich schloss die Augen. Plötzlich rief jemand „Hey du, die Jagd ist zu Ende. Magst du deinen kleinen Schweißhund jetzt mal suchen lassen? Ich hab ein Wildschwein erlegt, das liegt da 30 Meter weiter hinten.“ Mein Fraule hielt an. Ich hatte natürlich längst die Augen auf. Meine Nase empfing einen seltsamen Geruch. „Setz ihn da zwischen den beiden Fichten an“, sagte der Jäger, der auf einem Holzgestell saß. Mein Fraule brachte mich zu der beschriebenen Stelle. Hier roch es jetzt sehr stark. Mit der Nase am Boden tappte ich ganz langsam diesem mir unbekannten Geruch nach. Aber ich spürte genau die Spannung. Irgendwie war mir das alles nicht geheuer. Doch mein Fraule war hinter mir und auch der Revierinhaber war zwischenzeitlich hinzugekommen. Ich fühlte mich sicher mit den beiden. Aber da! Was für ein großes Tier. Viel größer als ich. Da lag ein echtes Wildschwein. Ich blieb stehen und sah mich nach meinem Fraule um. So etwas hatte ich vorher weder gerochen noch gesehen.

Mein Fraule und der Jagdfreund lobten mich sehr. Sie gingen zu dem Wildschwein hin und klopften daran. Es bewegte sich nicht. „Waidmannsheil!“ riefen sie dem Jäger auf dem Holzgestell zu. „Schau an, das hat der Kleine doch gut gemacht!“, sagte der Jagdfreund. „Muck, komm! Er ging in die Hocke und klopfte mit den Händen auf seine Schenkel. Er lockte mich zu sich. Und als ich bei ihm war, streichelte er mich und steckte mir einen kleinen Fichtenzweig in mein Halsband. Das war mein erster Bruch. Jäger bekommen einen solchen von einem anderen Jäger überreicht, wenn sie etwas erlegt haben. Dann stecken sie sich dieses Zweiglein an den Hut. Aber nach einer erfolgreichen Nachsuche bekommen auch Jagdhunde einen kleinen Teil dieses Bruchs. Und dies war meine erste erfolgreiche Nachsuche.
Ich war sehr stolz an diesem Tag. „Puh! Wer hätte das gedacht, dass es mal so schnell gehen kann!“, lachte mein Fraule und freute sich sehr. „Aber jetzt läufst du wieder, du kleiner Mehlsack! Du bist nämlich ganz schön schwer geworden.“

 

Das lest Ihr in der nächsten Folge von „Mucks Tagebuch”:

Wie ich in einer Badewanne eingeschlafen bin und später einem Filzmann begegnete.

5 ∗ So viele Erlebnisse in so kurzer Zeit!

Als mein Fraule mich heute nach dem Einkaufen aus meiner Autobox in den Garten setzte, sah ich sofort, dass sich am Zaun zum Nachbargrundstück etwas bewegte. Es war rot. Aber nicht so rot wie Mikesch. Es war kleiner als eine Katze. Und es hatte einen buschigen Schwanz. Ich lief sofort hin, aber dieses Tier schoss senkrecht wie ein Pfeil einen der Bäume hoch. Und dann saß es da oben und schimpfte!
Aber ich schimpfte auch. Wütend sprang ich am Zaun hoch und bellte, aber das Tier kam natür­lich nicht runter! Im Ge­gen­teil - es warf sogar einen Tannenzapfen nach mir! Immerhin hat es mich nicht getroffen. Ich schnappte mir den Zapfen und tobte einfach eine ganz wilde Runde im Garten rum. Das tat gut gegen die Wut. Mein Fraule lachte. „Muck, hier­her, lass doch das Eich­hörnchen in Ruhe!“ rief sie und hielt mir ein Guti entgegen. Das nahm ich natürlich gerne an. „Ich glaube, du brauchst langsam mal Arbeit“, sagte sie dann und nahm mich mit ins Haus.

„So, jetzt gehst du in deine Box, ich muss kurz weg. Ist ja sonst keiner da, der auf dich aufpassen kann, du Schlingel.“ Allerdings bekam ich einen Kno­chen mit dazu. So schlimm war das alles gar nicht mehr. Ich mag die Box inzwischen richtig, weil es meine Hundehöhle ist, in die sonst keiner rein­passt. Höchstens Mikesch. Aber der lebt momentan eh lieber im Keller, weil er mich nicht so besonders mag. Ich hörte noch, wie mein Fraule in der Küche hantierte. Dann verließ sie sie Wohnung. Das macht sie öfter. Mal geht sie einkaufen und bringt mir was mit oder sie geht zur Post und schickt was weg. Meist sind es Orte, wo keine Hunde mit rein dürfen.

Doch diesmal blieb sie gar nicht lange weg. Als gegen Mittag die Kinder von der Schule heimkamen und alle am Tisch beim Essen saßen, sagte mein Fraule zu ihnen, dass sie nachher nicht mit mir in den Garten gehen sollen. „Muck macht heute seine erste Übungsarbeit“, sagte sie. „Dürfen wir mit dabei sein?“, fragte Lilli. „Nein, das mache ich alleine mit ihm. Er soll sich erst daran gewöhnen. Später irgendwann könnt ihr mir aber beim Fährtenlegen helfen.“

Die Kinder verschwanden nach dem Essen in ihren Zimmern. Ich lief hinter meinem Fraule her und leistete ihr Gesellschaft beim Einräumen der Spül­maschine, indem ich versuchte, noch etwas vom Mittagessen von den Tellern zu schlecken. Zu blöd, dass sie die alle in diesen Geschirrkorb stellte! Wenn sie mir die Teller gegeben hätte, wären sie auch sauber geworden. So blitz­sauber, dass sie die einfach wieder in den Schrank hätte räumen können. Aber sie schubste mich mit einem „Nein“ von der Spülmaschine weg und machte die Klappe zu. Schade. Es hatte nämlich viel besser als mein Hundefutter geschmeckt.

„Pass auf, du kriegst schon noch was. Aber das musst du dir erst verdienen!“ Damit machte sie die Küchentür zu. Kurz darauf sagte sie „Muck, komm! Wir gehen in den Garten!“ Draußen brachte sie mich in die Nähe des Hoftors, wo am Zaun ein langer Beetstreifen mit kleinen Büschen ist. Dort zeigte sie mir eine Stelle am Boden. „Such!“, sagte sie jetzt. Hmmm, das roch aber gut! Besser als die Teller vorhin. Und von dieser Riechstelle ging es weiter und weiter. Immer weiter. Ich lief einfach meiner Nase nach – ich konnte gar nicht anders. Der Geruch zog mich wie magisch an und ich vergaß alles um mich herum.

Oh! Was ist das denn! Ein Topf aus der Küche lag umge­dreht hinter den Fahr­rädern in der Ecke. Unten am Topf strömte der gute Geruch hervor. Mein Fraule freute sich und lobte mich sehr! Schnell hob sie den Topf weg und da stand meine Futterschüssel mit diesem Stück Fleisch, das so gut riecht. „Hei, so ist er brav! Braver Muck! Deine erste Pansenschleppe hast du gut gemacht!“ Ich traute meinen Augen nicht. So ein gutes Stück ganz für mich allein, also das war noch nie da. Ich freute mich sehr über meinen Fund. Drei Stunden Stehzeit hatte die Schleppe. Das ist die Zeit, die vom Warten in der Box bis jetzt zum Finden von meinem Stück Fleisch vergangen war. Die Kinder kamen in den Hof gerannt. „Ah, er hat es gefunden! Ach Muck, du bist ja toll!“ Die Kinder freuten sich mit mir.

Ich sprang an Lilli hoch. Schützend schob sie ihr Knie vor und ich prallte ab. „Rums!“ – „Genauso geht es. Gut gemacht. Er soll sich das Anspringen ganz schnell abgewöhnen“, sagte mein Fraule. Ich drehte mich um und leckte noch­mal meine Schüssel aus. „Mama, dürfen wir jetzt ein paar Knallerbsen krachen lassen? Heute ist doch Silvester!“ Lilli und Valentin standen da und sahen mein Fraule bittend an. „Ja, aber bleibt hier draußen damit. Werft erst mal hinten am Zaun eine. Ich bleibe mit Muck hier bei den Fahrrädern. Dann gewöhnt er sich schon mal daran.“

Die Kinder liefen zum Zaun und ich konnte sehen, wie sie kleine Kugeln auf den Boden warfen. Und mit einem „Päng“ explodierten diese kleinen Dinger. Ich staunte. Mein Fraule ging mit mir etwas näher zu den Kindern und es krachte wieder. Es machte ihnen großen Spaß und ich wollte mitmachen und sprang herum. „Mama, der Muck hat gar keine Angst vor den Krachern!“ Mein Fraule lachte. „Heute hat er schon zwei große Aufgaben gelöst. Er hat die Schleppe gearbeitet und vor den Knallerbsen scheint er auch keine Angst zu haben. Aber jetzt hört auf, sonst habt ihr heute Abend nichts mehr. Von mir gibt es nämlich kein Geld mehr dafür!“ Die Kinder maulten ein wenig, aber sie hörten wirklich auf.

Am Abend dann zogen sich alle schöne Sachen an. „Wir fahren besser mit beiden Autos zu der Silvesterfeier. Dann kann ich früher mit dem Hund nach Hause fahren. Das wird sonst zu viel für ihn mit der Knallerei“, sagte mein Fraule. Als wir nach einer längeren Fahrt durch die Stadt in einer kleinen Straße angekommen waren, betraten wir eine Halle mit riesigen Fenstern und großen Gemälden an den Wänden. An Tischen saßen bereits viele Leute. Sofort sah ich an der einen Wand eine lange Tafel mit tollen Sachen zu essen. Ich bekam auch etwas, musste jedoch auf meiner Decke in einer Ecke liegen. Ich wurde an einem Heizungsrohr angeleint und hatte daher keine Chance, an mehr von dem Essen ranzukommen. Aber die Kinder steckten mir heimlich Leckereien zu. Am besten hat mir der Räucherlachs geschmeckt.

Irgendwann sagte mein Fraule zu mir: „So, jetzt geht es mit dem Silvester­feuer­werk bald los. Das ist mehr Krach als die paar Knallerbsen im Garten. Wir zwei fahren heim.“ Sie rollte meine Decke zusammen und brachte mich zu dem kleinen Auto, in dem ich auf der Rückbank liegen durfte. Ich fand das alles ziemlich spannend. Überall sprühte, krachte, heulte und pfiff es bereits, obwohl es noch gar nicht Mitternacht war. Nur war alles viel lauter als im Garten. Als dann allerdings etwas unter unserem Auto fürchterlich laut krachte, erschrak mein Fraule. Sie wurde sehr wütend auf die Leute, die da draußen standen und laut lachten.

Später, als wir endlich zu Hause waren, erklärte sie mir, dass da vorhin unter unserem Auto ein China­böller explo­diert war. China – wieso das? China muss ein besonderes Land sein. China hat wohl viel mit Feuer, Funkensprühen und ganz viel Krach zu tun. Aber auch mit unglaublich vielen Reissäcken, die dort immer irgend­wo umfal­len. Paula, das älteste Mädchen, sagt nämlich oft: „Ach ja, und in China ist wieder ein Sack Reis um­ge­fallen.“ Das sagt sie immer dann, wenn sich ihre Geschwister über sie ärgern und sich bei meinem Fraule lautstark über sie beschweren. Ich muss unbedingt noch rausfinden, ob der ganze Krach mit diesen Reissäcken zusammen­hängt. Wer könnte darüber etwas wissen? Am besten frage ich mal diesen chinesischen Faltenhund, dem wir immer beim Gassi gehen begegnen. Der kommt ja aus China. Der weiß es ganz bestimmt, ob dieser fürchterliche Krach mit den vielen umfallenden Reissäcken etwas zu tun hat.

 

Das lest Ihr in der nächsten Folge von „Mucks Tagebuch”:

Wie ich einen zugefrorenen Kanal mit einer Straße verwechselte und zum ersten Mal mit auf eine Jagd durfte.

4 ∗ Eine unschöne Begegnung

Die Weihnachtstage waren wirklich klasse. Ich bekam viele leckere Sachen zu fressen. Also solche für Hunde. Einen großen Knochen, Weihnachts­hunde­kekse und sogar einen Elch! Keinen echten, es war einer aus Stoff. Und er konnte quietschen. „Oh je, damit nervt er uns jetzt sicher tagelang“, sagte der Mann im Haus. Dazu rollte er mit den Augen.

Da kannte er mich aber schlecht! Den Elch hatte ich in nicht mal einer Stunde erledigt. Wäre dabei nicht der grüne Schal vom Elch abgegangen, hätte es vermutlich keiner bemerkt. Aber Lilli fand den grünen Schal. Und dann ein paar weiße Flocken. Die waren in dem Elch drin. Ich hatte nämlich fest damit gerechnet, dass noch Kekse in seinem Bauch sind. Er roch ja so gut danach!
Die Überreste des Elchs lagen hinter dem Sofa. „Ach je, Muck hat den Elch kaputt gemacht“, rief Lilli. „Oh, dann schau mal, ob das Quietschi dabei liegt. Wenn nicht, hat er es gefressen. Dann müssen wir aber aufpassen“, meinte mein Fraule. Ich lag in meinem Hundebett und verfolgte das alles. „Es ist weg! Was machen wir jetzt? Muss Muck zum Tierarzt?“ Mein Fraule sah mich an. Dann zuckte sie mit den Schultern. „Hm. Vielleicht kommt es ja hinten wieder raus. Also wenn er es klein gebissen hat.“ Lilli sah mich nachdenklich an. „Aber Mama, das hätten wir dann doch hören müssen, oder? Also wenn er es zerbissen hätte.“ „Stimmt auch wieder. Aber dann muss es doch irgendwo abgeblieben sein!“

Lilli setzte sich zu mir und streichelte mich. Ich drehte mich auf den Rücken und streckte meine Beine in die Luft. Da quietschte es. Lilli fasste unter meinen Rücken und griff suchend in meinem Hundebett herum. Das kitzelte! Ich sprang auf. „Trara! Hier ist es!“ Sie hielt das runde Plastikding hoch. „Gottseidank!“, rief mein Fraule. „Räum es bitte gleich weg. Nicht dass er das doch noch frisst. Vor dem Kerle ist ja wirklich nichts sicher! Erst das mit den Lebkuchen und jetzt der Elch. Ab auf den Hundeplatz!“

Oh, oh. Ich klappte meine langen Ohren etwas tiefer ab und schaute ganz schnell arm drein. Aber das mit den Lebkuchen war doch nur ein Ausrutscher, für den ich nun wirklich nichts konnte. Und die Geschichte mit dem Stoffelch, nun, die geht ja nur mich etwas an. Es war schließlich mein Weihnachts­geschenk. Mein Elch. Damit kann ich machen, was ich will!

Lilli setzte sich wieder zu mir und streichelte mich weiter. „Mama? Der Muck braucht doch ein Halsband und eine Leine, oder? Dann könnten wir mit ihm endlich mal richtig spazieren gehen. Da im Hof, das ist doch auf die Dauer langweilig für ihn.“ Mein Fraule trat hinzu. „Ja, du hast Recht. Es wird wirklich Zeit dafür. Ich fahre morgen mit ihm zu einem Tierfachgeschäft und dann bekommt er richtige Anziehsachen, der Kleine.“ Ich hatte schon gesehen, dass alle Hunde auf der Straße ein Halsband und eine Leine anhaben. Meine Mama in Südtirol hatte auch ein Halsband und eine Leine. Sie freute sich immer sehr, wenn Fraule oder Herrle die Leine vom Haken nahmen.

Am nächsten Tag war es soweit. Mein Fraule machte mit mir einen Ausflug zu einem Geschäft, in dem es soo gut roch. Dort kaufte sie mir ein braunes Leder­halsband und eine lange rote Leine aus Stoff. Aber oh je, war dieses lange Ding schwer an meinem Hals! „Da wächst ihr Hund noch rein. Sie werden sehen, wie schnell das geht“, sagte die Verkäuferin. Es zog mich fast runter, als wir den Laden verließen! An der nächsten Straßenkreuzung war eine Tram-Halte­stelle. Wir warteten dort. Es war sehr kalt und ich fror. Da kam eine komische Gestalt in einem langen dunklen Mantel um die Ecke. Auf dem Kopf hatte sie eine dunkle Kapuze und man sah fast nichts von dem Gesicht. Ein kleiner Junge hing an einer Hand. Er zappelte herum. Ein Junge, der ungefähr zweimal so groß war wie ich.

Der Junge starrte mich an und ich ihn. Plötzlich traf mich sein Schuh am Hals! Zwar nicht fest, aber ich erschrak sehr. Ich sprang zurück und wollte weg­laufen, aber ich hing an der Leine. Mein Fraule schrie das Kind an und auch die dunkle Gestalt. Es war eine Frau. Sie sagte etwas zu dem Jungen, das ich aber nicht verstand. Der Junge lachte nur und hob schon wieder das Bein. Ich wollte nur noch weg! Alles tat so weh an meinem Hals. Mein Fraule nahm mich auf den Arm und ging mit mir zu einer anderen Haltestelle. Als sie mich in der Tram auf den Boden setzte, zitterte ich so sehr, dass sie mich sofort wieder hochnahm. Wieder zu Hause bekam ich etwas zu fressen. Danach ging es mir besser.

Als wir in meinen neuen Anziehsachen zum Schloss spazierten, begegnete uns eine andere Frau mit so einem Jungen. Ich blieb stehen und knurrte so laut, dass die Frau und der Junge auf die andere Straßenseite gingen. Für mich war klar: So kleine Menschenkinder waren mir einfach nicht mehr ge­heuer. Und wenn ich knurrte, machten sie einen Bogen um mich oder blieben weit genug weg. Mehr wollte ich nicht.

Mein Fraule sprach die Nachbarin von weiter oben im Haus an. Sie hat auch einen Jungen und der könnte mir doch vielleicht Gutis geben, damit ich nicht immer knurre. Den Jungen hatte ich schon ein paar Mal im Hof gesehen und kannte daher seinen Geruch. Er heißt Ferdinand. Aber er hatte Angst vor mir und warf die Gutis vor mich hin. Ich fraß sie ganz schnell!

Am nächsten Morgen klingelte seine Mama an der Tür. Ferdinand stand neben ihr und hielt mir ein Würstl hin. Ich nahm es vorsichtig und es schmeckte mir sehr gut. Ferdinand freute sich. Er hatte keine Angst mehr vor mir. Und ich nicht vor ihm. Mein Fraule lobte mich sehr! Und Ferdinand wurde von seiner Mama gelobt. Zwei Tage später kamen sie mit Gutis. Ferdinand hielt mir ein Guti hin und ich nahm es genauso vorsichtig wie das Würstl. Alles ohne Knurren, weil ich ihn ja kannte.

Nach zwei Wochen trafen wir in unserer Straße wieder diese Frau mit dem kleinen Jungen, den ich kürzlich angeknurrt hatte! Mein Fraule grüßte die beiden schon von Weitem und sie blieben stehen. Hm, das war jetzt schon eine andere Nummer! Ich blieb auch stehen, aber mein Fraule ging einfach mit mir weiter. Sie gab dem Jungen ein Guti für mich und er lächelte und hielt es mir hin. Das roch sehr gut! Die Mama von dem Jungen ging in die Hocke zu mir runter. Dann nahm ich ganz vorsichtig das Guti aus der Hand des Jungen. Die beiden waren wirklich sehr nett zu mir. So nett, dass ich völlig vergessen habe zu knurren. Mein Fraule lobte mich sehr dafür.

Als wir die beiden eine Woche später wieder trafen, freute ich mich schon. Dieses Mal gab mir der Junge ein Stück von seiner Butterbrezen ab. Die schmeckte vielleicht gut! Und langsam, ganz langsam lernte ich, dass nicht alle kleinen Jungen so böse sind wie damals jener an der Haltestelle. Ich war sehr froh. Aber ich glaube, dass mein Fraule noch glücklicher darüber war, dass das mit dem Anknurren von kleinen Jungen bei mir aufgehört hat.

Das lest Ihr in der nächsten Folge von „Mucks Tagebuch”:

Mein erster Silvestertag, das Rätsel mit den Reissäcken in China und meine ersten Übungen als Schweißhund.

3 ∗ Vorweihnachtliche Überraschungen

Also ich muss da einfach so eingeschlafen sein, auf der weißen Stoffwiese inmitten der Kinder. So genau kann ich mich nicht mehr daran erinnern. Ich weiß nur, dass ich mich in einem Hundegefängnis befand, als ich aufwachte. Überall probierte ich, aus diesem dunklen Ding rauszukommen. „So ein Mist! Hilfe! Mama! Hilfe! Ich will hier raus!“ Ich schrie so laut wie ich nur konnte. Da kam auch schon mein Fraule. „Ah, kleiner Mann, bist Du aufgewacht! Ja, das war gemein mit dem Einsperren. Komm, jetzt darfst Du raus.“

Sie öffnete die Gittertüre, hielt mich aber ganz schnell fest und lief mit mir nach draußen in den Hof. Es war immer noch dunkel. Und sehr kalt! Ich tappte und schnüffelte herum. Mein Fraule machte wieder dieses Wasser-Geräusch. Ich setzte mich hin und machte Pipi. Erneut wurde ich gelobt und bekam ein Guti. Ich freute mich und machte ein paar Hopser durch den Schnee. „Mama! Telefon! Schnell, es ist wichtig!“, rief eines der Kinder aus der Wohnung. Mein Fraule nahm mich hoch und lief mit mir ins Haus, wo ihr Emma das Telefon gab.

Sie setzte mich auf den Boden. Viele Schuhe lagen da! Und die Schuhe rochen nach draußen, rochen sogar nach anderen Hunden! Ah, ein guter Platz!

Ich setzte mich hin und machte einen Haufen. „Oh nein! Muck! Nicht hier drin!“ Fraule beendete schnell das Telefongespräch. Ihre Hände packten mich und setzten mich draußen wieder in den kalten Schnee. Ich verstand das nicht! Bisher hatte mich mein Fraule immer gelobt und jetzt dieser grantige Ton! Auch gabs kein Guti!

Irgendwann nahm sie mich wieder auf den Arm und brachte mich rein. Ich schnüf­felte an meinem Haufen. „Nein nein!“, sagte sie streng und machte meinen Haufen weg. Aber was war das! Am Ende des Flurs? Funkelnde Augen starrten mich an. Ein Tier mit rotem Fell. Jetzt stand es auf und bauschte sich auf! Kam langsam auf mich zu. Ich wedelte und lief ihm entge­gen. Aber dann riss es mit einem heiseren Laut sein Maul ganz weit auf. Oh oh! Viele spitze Zähne! Also lieber stehen bleiben. Das rote Tier bog ab in die Küche, aus der jetzt ein köstlicher Geruch strömte. „Miauu“, hörte ich. „Hallo Mikesch! Auch wieder da? Wir haben jetzt einen Hund!“

Dieser Mikesch war mir nicht geheuer. Er war zwar etwas kleiner als ich, aber diese Augen und diese vielen Zähne gefielen mir gar nicht. Ich lugte in die Küche und glaubte erst zu träumen was ich sah! Er stand auf dem Küchen­tisch und fraß gemütlich das, was meine Nase mir eben gemeldet hatte. „Komm, Muck! Hier ist dein Fressi!“. Mein Fraule hielt mir eine Schüssel entgegen. Das roch so wie in meinem alten Zuhause.

Sofort machte ich mich darüber her. Da sprang dieses rotgestreifte Fellmons­ter vom Tisch und kam zu meiner Schüssel! „Grrrrrr!“, machte ich. „Muck, das ist Kater Mikesch. Der wohnt hier schon länger. Der tut Dir nichts, wenn Du ihn in Ruhe lässt“, sagte mein Fraule. Mein Knurren verstand dieser Mikesch offensichtlich, denn er ging nicht an meine Schüssel. Als ich später nach­forschte, führte seine Spur eine Treppe nach unten. Dort konnte ich nicht hin, weil ein Gitter davor war. Ich versuchte, das Gitter mit den Pfoten weg zu drücken, aber es ging nicht. Ich hörte etwas scharren von da unten.

Katergeruch stieg in meine Nase. Ha, was der kann, kann ich auch! Ich machte einen Haufen vor dem Gitter. Dann lief ich in die Küche zu meinem Fraule, die mir so ein Stück harte Haut gab. Ich ging damit zum roten Teppich. „Oh nein, nicht schon wieder! So ein Mist!“, hörte ich sie rufen. Wieder sagte sie streng „Nein nein!“ und machte meinen Haufen weg. Das ging immer sehr schnell bei mir. Vielleicht aber war mein Fraule auch zu langsam?

Ich weiß jetzt nicht mehr genau, wie viele Haufen ich in der nächsten Zeit noch in die Wohnung gemacht habe. Jedenfalls stand ein paar Tage später ein tolles Fest bevor, welches Weih­nach­ten heißt. Vor dem ersten Fest­tag stellte der Mann, der eigentlich die meiste Zeit nicht da war, einen spitzen Baum in das Wohn­zimmer. Es war ein ziemlich großer Baum mit vielen kleinen Nadeln. Dann schleppte mein Fraule eine große Schachtel an, in der viele kleine Schachteln waren. Aus den kleinen Schachteln holte sie eine ewig lange Schnur mit kleinen Lampen dran, die sie um diesen Baum wickelte.
„Ah! Dürfen wir mithelfen?“ Die Kinder waren aus ihren Zimmern gekommen. „Ja, aber dieses Jahr sollen nur silberne Kugeln dran. – „Mama, warum gibt es dieses Jahr keine echten Kerzen?“ – „Kinder, der Hund ist noch so klein! Mir ist das zu gefährlich.“

Von wegen klein. Ich stellte mich auf meine Hinterpfoten und schaute in die große Schachtel. „Nein Muck! Hunde­platz!“ Zwei Hände setzten mich in dieses blaue Ding, das seit ein paar Tagen da steht. Ich legte mich brav hin, aber als mein Fraule wieder mit dem Baum beschäftigt war, scharrte ich wie ein wildes Hundetier in der blauen Kuhle.

Die Kinder lachten und spielten mit mir. „Na, was sagt ihr? Fast fertig! Jetzt fehlen nur noch Eure schönen Leb­kuchen. Lilli, kannst Du bitte mal die große Blechdose aus dem Schlaf­zimmer­schrank holen? Als Lilli mit der Schachtel zurückkam, wollten alle wieder mithelfen. Diese Lebkuchen rochen genauso wunderbar wie damals in meinem alten Zuhause. Ich hob meine Nase so hoch es ging, aber leider kam ich damit nicht dran. „Mama, ich glaube, der Muck würde gerne einen Lebkuchen haben“, sagte Valentin. „Nix da! Die sind jetzt für den Baum. Wenn Weihnachten vorbei ist, kriegt er auch einen ab.“ Valentin streichelte mich und flüsterte mir ins Ohr, dass am nächsten Tag der Heilige Abend sei und das Christkind tolle Geschenke bringen würde.

Als es am nächsten Tag langsam dunkel wurde drückte mein Fraule auf einen Schalter. Der Baum leuchtete! Alles strahlte wie verzaubert. „So, jetzt geht ihr euch umziehen für die Kinderchristmette. Und wenn ihr brav wart, hat Euch das Christkind in der Zwischenzeit etwas unter den Baum gelegt.“

Mehr habe ich nicht mehr gehört, weil ich eingeschlafen bin. Bis es leise klirrte. Und nochmal und nochmal klirrte. Ich setzte mich auf und gähnte. Was war das? Der Baum wackelte und schwankte! Und dann sah ich auch, warum! Der Kater hing ganz oben im Baum! „Rrrrumms und klirr klirr klirr“, der Baum fiel um. Mikesch rannte aus dem Wohnzimmer, wieder aufgebauscht wie eine rote Fellkugel. Ach, die Leb­kuchen! Jetzt lagen sie da, teilweise zerbrochen, manche noch ganz. Zuerst fraß ich die zerbrochenen, später dann die am Baum. Ein Leb­kuchen­schaf schmeckte beson­ders gut wegen der vielen roten Zucker­perlen. „Oh Nein!“, hörte ich plötzlich Lilli rufen. „Mama, komm schnell! Muck hat den Baum umgeworfen!“

Von wegen ich, der Kater war das! Der hat das getan. So eine Gemeinheit, mir das anzuhängen! Mikesch war natürlich über alle Berge und ich konnte das jetzt ausbaden. Aber die Lebkuchen ... allererste Sahne. Mmh, waren die lecker. Die machten das wieder wett, dass ich hier als Übeltäter herhalten musste. Ich erinnerte mich an die Bemerkung meiner Mutter: Stirn in Falten werfen und ganz arm schauen! Da lag ich also als armes Hundekind, das beinahe unter einem umstürzenden Weihnachtsbaum begraben wurde.

„Ob er den Baum gar nicht umge­worfen hat? Vielleicht ist er von selber umgefallen? Als wir vorhin alle raus­ge­gangen sind, hat Muck doch ganz tief geschlafen. Und wenn ihm dann die Lebkuchen direkt vor die Nase fallen ... also, da kann er doch nichts dafür, oder?“, sagte Valentin. Er setzte sich zu mir auf den Boden und nahm mich in den Arm. Ich küsste ihn auf sein linkes Ohr und vergrub meine Nase in seinem Pulli. Immerhin einer, der mich verstand.

Das lest Ihr in der nächsten Folge von „Mucks Tagebuch”:

Wie ich die ersten Hundeanziehsachen bekam und eine schlechte Erfahrung machen musste.

2 • „Mucks“ Einzug ins neue Heim

Es ist immer noch Tag 1, aber es war dunkle Nacht. Es hatte aufgehört zu rappeln. Der Motor war aus. Ich musste niesen. „Bleib noch sitzen, ich komme auf die andere Seite und nehm ihn Dir ab“, sagte das neue Fraule zu Lilli. Die Tür auf meiner Seite ging auf. Oh, war das plötzlich kalt. „Mama, ich glaub, er hat in die Decke gepinkelt. Meine Jeans ist ganz nass!“ - „Das ist nicht so schlimm. Geht alles beim Waschen raus.“ Mein Fraule nahm mich auf den Arm und trug mich ein Stück weg vom Auto.

Hier lag auch Schnee! Aber es roch ganz anders als in meinem alten Zuhause auf dem Hof. Sie setzte mich auf den Boden. Dann machte sie so ein komisches Geräusch mit dem Mund. Es klang wie… also es klang, als würde Wasser laufen. Aaah! Das tat gut. Ich machte ganz viel Pipi. „So ist er brav!“, lobte sie mich. Als ich fertig war, untersuchte ich erst mal alles. Plötzlich hörte ich Stimmen. Ein paar Menschen kamen. Es waren ein Junge und zwei größere Mädchen.

Der Junge war dieser Valentin, von dem ich schon gehört hatte. Die großen Mädchen hießen Paula und Emma. Sie gingen in die Hocke und hielten mir zur Begrüßung ihre Hände hin. Das war ja ein toller Empfang! Ich ging auch in die Hocke. Da lachten alle. Dann lief ich zu jedem hin und beschnüffelte sie. Ich erkenne jeden Menschen an seinem Geruch. Selbst wenn er weiter weg ist und ich ihn noch gar nicht sehen kann. So, wie jeder Mensch oder auch jedes Tier anders aussieht, so trägt er seinen Geruch mit sich.

Ich lief wieder zurück zu der Stelle, wo ich Pipi gemacht hatte. Ich suchte einen passenden Platz. „Ah, er macht auch gleich noch einen Haufen!“, sagte mein Fraule. „Brav! Ja, bist Du brav!“ Ich wurde noch viel mehr als nach dem Pipimachen gelobt. Ich bekam sogar ein Guti! Das fing ja gut an. Aber mir war sehr kalt. Ich zitterte. Ich habe ja eher ein dünnes Fell. Ich bin kein Wuschelhund!

„Kommt, wir gehen rein. Der Kleine zittert ja wie Espenlaub“. Fraule nahm mich hoch und trug mich ins Haus. Ein großes Haus! Mit noch anderen Menschen. Im Haus stand eine Tür offen. Es war hell in dieser Wohnung. Alles sah so neu aus, so anders. Und überall der Geruch meiner neuen Menschen. Mein Fraule setzte mich auf den Boden. Auf einen rotgemusterten Teppich. Hm ... ich schnüffelte den Teppich ab. Was war das? Das roch nicht nach Mensch! Das roch nach Tier!

Ich sah mich um. Oh! Da war plötzlich ein Hund! Er starrte mich an. Ich bellte! Er bellte auch! Ich bellte wieder. Er auch! Also was will der hier? Davon hat mir doch keiner was gesagt! Ich knurrte. Er knurrte auch! Jetzt lachten sie alle! „Das ist ein Spiegel, du Dummchen!“, sagte mein Fraule und hob mich wieder hoch. Dann ging sie ganz nah zu diesem Hund vor mir. Ich konnte ihn zwar sehen, aber nicht riechen. Jetzt sah ich mein Fraule auch in diesem Spiegel. Und mich auf ihrem Arm. Aha. Alles klar. Sachen gibt’s!

Jagdhund Muck in der BadewanneSie schnüffelte an meinem Bauch. „Uah, du riechst ganz schön nach Hundepipi. Ab ins Bad!“ Sie trug mich in ein weißes Zimmer mit einem großen Becken. Da drehte sie an einem Ding und es rauschte Wasser ins Becken. Viel Wasser! Kurz darauf saß ich im Wasser und was soll ich sagen - es war einfach großartig! Kuschlig warm war das! Sie tat was auf mich drauf, das roch ein wenig komisch und wurde weiß.

„Mama, pass auf seine Augen auf. Das brennt doch immer“, sagte Lilli. „Keine Sorge, ich wasch ihm nicht die Haare“, lachte sie. Dann kam diese komische Gießkanne. Ich bin doch kein Blumentopf! Aber das Gießkannenwasser war auch ganz warm. „Halt mal das Handtuch auf, ich hole ihn jetzt raus“, sagte das Fraule zu Lilli. Ich wurde in ein großes Handtuch gewickelt und abgerubbelt. Hach, war das schön! Hinterher durfte ich rumlaufen.

Jagdhund Muck's erste Nacht im neuen ZuhauseIch lief aus dem weißen Zimmer in den Flur. Da war ein anderes Zimmer! Und da war so eine große Stoffwiese. Ich sprang hinauf. Dort wälzte ich mich und kugelte rum. Die Kinder standen alle in der Tür und lachten. Ich grub meine Nase ganz tief in diese Decken. Es roch nach meinem Fraule und einem fremden Mann, den ich noch nicht kannte. Da hörte ich auch schon etwas. Eine tiefere Stimme. Schritte. Er blieb im Türrahmen stehen. Groß und dunkel sah er aus in seiner Jacke. Die hatte er über seinem Kopf. Da war auch etwas an seinem Kopf, das wie ein Tier aussah. „Mach mal die Kapuze ab, der Kleine kriegt ja Angst vor Dir!“, sagte mein Fraule. „Ja, das ist auch gut so! Ich bin hier nämlich der Haupt-Wolf. Damit das klar ist! Und was soll das überhaupt mit dem Hund im Bett? Der gehört da nicht hin!“ – „Ach Papa, jetzt sei doch nicht so streng, das ist doch noch ein Baby“, kam es jetzt von den Kindern. Der Mann sah mich so komisch an. Er war ganz anders als mein altes Herrle. Dann ging er die Treppe nach unten.

Die Kinder kamen alle zu mir auf die Stoffwiese und streichelten mich. Mein Fraule setzte sich zu uns. „Der gewöhnt sich schon noch an ihn“, sagte sie. „Schließlich hat er ihn mir ja endlich erlaubt. 20 Jahre lang habe ich mir einen Hund gewünscht.“ Da rief Lilli: „Ach Mama! Weißt Du was? Muck ist fast ein Weihnachtshund! In zwei Wochen ist doch Weihnachten, oder?“ Mein Fraule lachte. „Ja stimmt. So habe ich das noch gar nicht gesehen. Gut dass Du mich daran erinnerst. Ich muss unbedingt noch Plätzchen backen.“ Das Wort „Plätzchen“ kannte ich. Ich erinnerte mich sofort an den Geruch, der in meinem alten Zuhause in Südtirol in den letzten Tagen aus der Küche strömte. Das roch so süß, so gut ... und dann wurde ich sehr sehr müde.

Das lest Ihr in der nächsten Folge von Mucks Tagebuch:
Wie ich einem rotgestreiften Fellmonster mit spitzen Zähnen begegnet bin und mein erstes Weihnachten erlebte.

1 • Muck nimmt Abschied

Tag 1 

Mir ist langweilig. Das wusste auch „Erich“, eine Dogge, die nebenan wohnte. Er war oft lange Zeit allein zu Hause und begann irgendwann mit dem Schreiben. „Es geht mir viel besser, seit ich schreibe!“, sagte er immer, wenn wir uns auf der Straße trafen. Daher hatte er mir geraten, ein Tagebuch zu führen.

Mir ist aber trotzdem noch langweilig. Da hilft es auch nichts, zum Hunde-Adel zu gehören. Ich bin nämlich ein Hannoverscher Schweißhund. Mit echten Papieren als Nachweis, wer meine Hundeeltern und der Züchter sind. Aber manchmal helfen auch echte Papiere nichts. Vor allem, wenn man mit schiefen Zähnen auf die Welt gekommen ist.

Geboren wurde ich in Südtirol, das zu Italien gehört. Von den italienischen Jägern wollte mich wegen dieser Zähne keiner. Genauso wenig wollten mich die Jäger in Österreich, wo mein Vater herkommt. Und so bin ich in der Heimat meiner deutschen Mutter gelandet. Noch dazu bei einer Frau. Einer Jägerin, die ziemlich wenig Ahnung von der Führung solcher Hunde hatte. Aber sie gefiel mir.

Erste Begegnung von Muck mit seinem FrauleDazu muss ich sagen, dass wir Hunde nicht so sehr auf das Aus­sehen der Menschen ach­ten. Viel wichti­ger ist für uns, wie die Men­schen riechen! Und diese Frau roch wirk­lich gut! Ich habe sie einfach an dieser dicken Leine, die sie um den Hals trug, festge­halten. Dann sagte sie zu meinem Herrle und Züchter, dass ich ihr gefalle und sie mich nimmt. Trotz der schiefen Zähne und obwohl sie eigentlich eine Hündin wollte.

Dabei hat die Frau schon drei Mädchen zu Hause. Also was soll sie mit einem weiteren Mädchen? Sie hat auch noch einen Jungen. Er heißt Valentin.

Meinem Herrle erzählte sie, dass Valentin sich einen Hundejungen, also einen Rüden wünschte. Jungsverstärkung sozusagen. Leider war er nicht mit dabei, weil er für ein Konzert proben musste.
Mein Herrle und mein Fraule luden diese Jägerin und ihre Tochter erstmal zu Kaffee und Kuchen ein. Meine Mutter und meine Schwester, die auch noch da war, und ich durften dabeisitzen.

Leider stand der Teller mit dem Kuchen in der Mitte des Tisches, so dass ich nichts naschen konnte. Aber von meiner Mama habe ich gelernt, dass man am ehesten etwas Gutes von dem Menschenessen abbekommt, wenn man seine Stirn in Falten wirft und ganz arm schaut. So saßen wir also mit auf der Bank und schauten ganz arm. Es half, denn bald bekam ich ein kleines Kuchenhäppchen. Dann nahm mich die Frau auf den Schoß. Das gefiel mir. Am allerbesten aber gefiel mir ihre Hose. Die roch genauso wie das große Tier, das uns das Herrle mal von der Jagd mitbrachte. Ein Hirsch war das.

Gerade, als ich müde wurde, purzelte meine Schwester von der Bank und machte Pipi unter den Tisch. Und bevor ich es nachmachen konnte, hatte mich schon mein Herrle auf den Arm genommen und sagte „Den bring ich jetzt besser gleich raus.“ Draußen setzte er mich in den kalten Schnee. Es war November und wir lebten in den Bergen!

Als wir wieder im Warmen waren, holte mein Herrle ein paar Zettel und so ein kleines Buch. „Hier, das ist der Impfpass“, sagte er. Und dann haben er und die Frau etwas geschrieben. Danach und so schnell gehörte ich nicht mehr meinem Herrle und Fraule, sondern dieser Jägerin aus Deutschland, die jetzt mein neues Fraule wurde.

„Oh, es ist ja schon dunkel! Jetzt müssen wir aber heim, das sind ja gute 350 Kilometer zu fahren“, sagte das neue Fraule. Ich war schon längst wieder auf ihrem Schoß und hatte es mir gemütlich gemacht. Draußen am Auto übergab sie mich an ihre Tochter, die sich auf den Beifahrersitz gesetzt hatte. Ich rollte mich auf ihrem Schoß ein. Das war auch schön. Die Menschen reichten sich die Hände und verabschiedeten sich. Mein Herrle streichelte mir über den Kopf. „Mach’s gut, mein Kleiner“, sagte er. Leise drückte er die Tür des fremden Autos zu. Mein neues Fraule ließ den Motor an. Langsam fuhren wir aus dem Hof, wo ich sonst immer mit meinen Geschwistern rumtobte. Das neue Auto war viel lauter als das meines Herrles. Immerhin durfte ich ja vorne auf dem Schoß von Lilli, so heißt das Mädchen, sitzen.

Mucks erste Autofahrt zu seinem neuen ZuhauseEine Weile sah ich noch aus dem Fens­ter. Es schnei­te. Die dicken Flocken stürz­ten uns nur so ent­ge­gen. Mir wurde fast schwindelig. Und dann wurde ich sehr müde und drückte mich dichter an Lilli. Mein altes Fraule hatte mir noch unse­re Kuschel­decke mit­ge­geben. Da lag ich jetzt darauf. Es roch nach meiner Mutter und meiner Schwester. Ich fühlte mich wie zu Hause. Das Auto rappelte und rappelte. Irgendwann bin ich wohl eingeschlafen.

Das lest Ihr in der nächsten Folge von Mucks Tagebuch:
Mein neues Reich in der großen Stadt -
ein roter Teppich und weiße Stoff­wiesen.