Hallo Kinder,

Tatiana Pongratz mit Muck
Tatiana Pongratz mit Muck

mein Name ist Tatiana Pongratz. Bereits als kleines Mädchen hatte ich ein Gewehr aus Holz und habe mich lieber mit Tieren anstatt Puppen beschäftigt. Aber das ist lange her. Heute gehe ich mit meinem Hannover­schen Schweiß­hund auf die Jagd. Mit so einem Hund sucht man nach verletztem Wild. Mein Beruf ist das Schreiben. Mein Hund schreibt übrigens auch. Und er liest viel und gerne. Allerdings muss ich diese Bücher hinterher meist in die Papier­tonne werfen, weil er beim Umblättern der Seiten etwas unvorsichtig ist. Aber auch sonst macht er eine Menge lustigen Unsinn und davon erzählt er in seinem Tagebuch hier auf Euren „Frischlings-­Seiten“.

Auch werde ich Euch etwas zum Selber­machen vorstellen. Das übernehme lieber ich, denn Muck würde mit Sicherheit alles durcheinander­bringen und vielleicht Teile davon im Gar­ten verbuddeln. Und dann passt am Ende nichts mehr richtig zusam­men. Also Muck: Pfoten weg! 

Mucks Memoiren

Muck, der Hannoversche Schweißhund erzählt seine Geschichten ...

Der Hannoversche Schweißhund „Muck“ langweilt sich manchmal. Und so begin­nt er, ganz heimlich, im Rückblick sein Tagebuch zu schreiben. „Muck“ ist ein Jagd­hund und wird daher eine Art Beruf erlernen. Er hat schiefe Zähne und braucht so etwas wie eine Zahn­spange. Aber sonst ist er ein ganz normaler Hunde­welpe, der mit großen Pfoten durch kleine und große Abenteuer tappt. Diese beginnen erstmal mit einem Abschied und einer Reise von Südtirol in sein neues Zuhause in Deutschland. 

3 ∗ Vorweihnachtliche Überraschungen

Also ich muss da einfach so eingeschlafen sein, auf der weißen Stoffwiese inmitten der Kinder. So genau kann ich mich nicht mehr daran erinnern. Ich weiß nur, dass ich mich in einem Hundegefängnis befand, als ich aufwachte. Überall probierte ich, aus diesem dunklen Ding rauszukommen. „So ein Mist! Hilfe! Mama! Hilfe! Ich will hier raus!“ Ich schrie so laut wie ich nur konnte. Da kam auch schon mein Fraule. „Ah, kleiner Mann, bist Du aufgewacht! Ja, das war gemein mit dem Einsperren. Komm, jetzt darfst Du raus.“

Sie öffnete die Gittertüre, hielt mich aber ganz schnell fest und lief mit mir nach draußen in den Hof. Es war immer noch dunkel. Und sehr kalt! Ich tappte und schnüffelte herum. Mein Fraule machte wieder dieses Wasser-Geräusch. Ich setzte mich hin und machte Pipi. Erneut wurde ich gelobt und bekam ein Guti. Ich freute mich und machte ein paar Hopser durch den Schnee. „Mama! Telefon! Schnell, es ist wichtig!“, rief eines der Kinder aus der Wohnung. Mein Fraule nahm mich hoch und lief mit mir ins Haus, wo ihr Emma das Telefon gab.

Sie setzte mich auf den Boden. Viele Schuhe lagen da! Und die Schuhe rochen nach draußen, rochen sogar nach anderen Hunden! Ah, ein guter Platz!

Ich setzte mich hin und machte einen Haufen. „Oh nein! Muck! Nicht hier drin!“ Fraule beendete schnell das Telefongespräch. Ihre Hände packten mich und setzten mich draußen wieder in den kalten Schnee. Ich verstand das nicht! Bisher hatte mich mein Fraule immer gelobt und jetzt dieser grantige Ton! Auch gabs kein Guti!

Irgendwann nahm sie mich wieder auf den Arm und brachte mich rein. Ich schnüf­felte an meinem Haufen. „Nein nein!“, sagte sie streng und machte meinen Haufen weg. Aber was war das! Am Ende des Flurs? Funkelnde Augen starrten mich an. Ein Tier mit rotem Fell. Jetzt stand es auf und bauschte sich auf! Kam langsam auf mich zu. Ich wedelte und lief ihm entge­gen. Aber dann riss es mit einem heiseren Laut sein Maul ganz weit auf. Oh oh! Viele spitze Zähne! Also lieber stehen bleiben. Das rote Tier bog ab in die Küche, aus der jetzt ein köstlicher Geruch strömte. „Miauu“, hörte ich. „Hallo Mikesch! Auch wieder da? Wir haben jetzt einen Hund!“

Dieser Mikesch war mir nicht geheuer. Er war zwar etwas kleiner als ich, aber diese Augen und diese vielen Zähne gefielen mir gar nicht. Ich lugte in die Küche und glaubte erst zu träumen was ich sah! Er stand auf dem Küchen­tisch und fraß gemütlich das, was meine Nase mir eben gemeldet hatte. „Komm, Muck! Hier ist dein Fressi!“. Mein Fraule hielt mir eine Schüssel entgegen. Das roch so wie in meinem alten Zuhause.

Sofort machte ich mich darüber her. Da sprang dieses rotgestreifte Fellmons­ter vom Tisch und kam zu meiner Schüssel! „Grrrrrr!“, machte ich. „Muck, das ist Kater Mikesch. Der wohnt hier schon länger. Der tut Dir nichts, wenn Du ihn in Ruhe lässt“, sagte mein Fraule. Mein Knurren verstand dieser Mikesch offensichtlich, denn er ging nicht an meine Schüssel. Als ich später nach­forschte, führte seine Spur eine Treppe nach unten. Dort konnte ich nicht hin, weil ein Gitter davor war. Ich versuchte, das Gitter mit den Pfoten weg zu drücken, aber es ging nicht. Ich hörte etwas scharren von da unten.

Katergeruch stieg in meine Nase. Ha, was der kann, kann ich auch! Ich machte einen Haufen vor dem Gitter. Dann lief ich in die Küche zu meinem Fraule, die mir so ein Stück harte Haut gab. Ich ging damit zum roten Teppich. „Oh nein, nicht schon wieder! So ein Mist!“, hörte ich sie rufen. Wieder sagte sie streng „Nein nein!“ und machte meinen Haufen weg. Das ging immer sehr schnell bei mir. Vielleicht aber war mein Fraule auch zu langsam?

Ich weiß jetzt nicht mehr genau, wie viele Haufen ich in der nächsten Zeit noch in die Wohnung gemacht habe. Jedenfalls stand ein paar Tage später ein tolles Fest bevor, welches Weih­nach­ten heißt. Vor dem ersten Fest­tag stellte der Mann, der eigentlich die meiste Zeit nicht da war, einen spitzen Baum in das Wohn­zimmer. Es war ein ziemlich großer Baum mit vielen kleinen Nadeln. Dann schleppte mein Fraule eine große Schachtel an, in der viele kleine Schachteln waren. Aus den kleinen Schachteln holte sie eine ewig lange Schnur mit kleinen Lampen dran, die sie um diesen Baum wickelte.
„Ah! Dürfen wir mithelfen?“ Die Kinder waren aus ihren Zimmern gekommen. „Ja, aber dieses Jahr sollen nur silberne Kugeln dran. – „Mama, warum gibt es dieses Jahr keine echten Kerzen?“ – „Kinder, der Hund ist noch so klein! Mir ist das zu gefährlich.“

Von wegen klein. Ich stellte mich auf meine Hinterpfoten und schaute in die große Schachtel. „Nein Muck! Hunde­platz!“ Zwei Hände setzten mich in dieses blaue Ding, das seit ein paar Tagen da steht. Ich legte mich brav hin, aber als mein Fraule wieder mit dem Baum beschäftigt war, scharrte ich wie ein wildes Hundetier in der blauen Kuhle.

Die Kinder lachten und spielten mit mir. „Na, was sagt ihr? Fast fertig! Jetzt fehlen nur noch Eure schönen Leb­kuchen. Lilli, kannst Du bitte mal die große Blechdose aus dem Schlaf­zimmer­schrank holen? Als Lilli mit der Schachtel zurückkam, wollten alle wieder mithelfen. Diese Lebkuchen rochen genauso wunderbar wie damals in meinem alten Zuhause. Ich hob meine Nase so hoch es ging, aber leider kam ich damit nicht dran. „Mama, ich glaube, der Muck würde gerne einen Lebkuchen haben“, sagte Valentin. „Nix da! Die sind jetzt für den Baum. Wenn Weihnachten vorbei ist, kriegt er auch einen ab.“ Valentin streichelte mich und flüsterte mir ins Ohr, dass am nächsten Tag der Heilige Abend sei und das Christkind tolle Geschenke bringen würde.

Als es am nächsten Tag langsam dunkel wurde drückte mein Fraule auf einen Schalter. Der Baum leuchtete! Alles strahlte wie verzaubert. „So, jetzt geht ihr euch umziehen für die Kinderchristmette. Und wenn ihr brav wart, hat Euch das Christkind in der Zwischenzeit etwas unter den Baum gelegt.“

Mehr habe ich nicht mehr gehört, weil ich eingeschlafen bin. Bis es leise klirrte. Und nochmal und nochmal klirrte. Ich setzte mich auf und gähnte. Was war das? Der Baum wackelte und schwankte! Und dann sah ich auch, warum! Der Kater hing ganz oben im Baum! „Rrrrumms und klirr klirr klirr“, der Baum fiel um. Mikesch rannte aus dem Wohnzimmer, wieder aufgebauscht wie eine rote Fellkugel. Ach, die Leb­kuchen! Jetzt lagen sie da, teilweise zerbrochen, manche noch ganz. Zuerst fraß ich die zerbrochenen, später dann die am Baum. Ein Leb­kuchen­schaf schmeckte beson­ders gut wegen der vielen roten Zucker­perlen. „Oh Nein!“, hörte ich plötzlich Lilli rufen. „Mama, komm schnell! Muck hat den Baum umgeworfen!“

Von wegen ich, der Kater war das! Der hat das getan. So eine Gemeinheit, mir das anzuhängen! Mikesch war natürlich über alle Berge und ich konnte das jetzt ausbaden. Aber die Lebkuchen ... allererste Sahne. Mmh, waren die lecker. Die machten das wieder wett, dass ich hier als Übeltäter herhalten musste. Ich erinnerte mich an die Bemerkung meiner Mutter: Stirn in Falten werfen und ganz arm schauen! Da lag ich also als armes Hundekind, das beinahe unter einem umstürzenden Weihnachtsbaum begraben wurde.

„Ob er den Baum gar nicht umge­worfen hat? Vielleicht ist er von selber umgefallen? Als wir vorhin alle raus­ge­gangen sind, hat Muck doch ganz tief geschlafen. Und wenn ihm dann die Lebkuchen direkt vor die Nase fallen ... also, da kann er doch nichts dafür, oder?“, sagte Valentin. Er setzte sich zu mir auf den Boden und nahm mich in den Arm. Ich küsste ihn auf sein linkes Ohr und vergrub meine Nase in seinem Pulli. Immerhin einer, der mich verstand.

Das lest Ihr in der nächsten Folge von „Mucks Tagebuch”:

Wie ich die ersten Hundeanziehsachen bekam und eine schlechte Erfahrung machen musste.

2 • „Mucks“ Einzug ins neue Heim

Es ist immer noch Tag 1, aber es war dunkle Nacht. Es hatte aufgehört zu rappeln. Der Motor war aus. Ich musste niesen. „Bleib noch sitzen, ich komme auf die andere Seite und nehm ihn Dir ab“, sagte das neue Fraule zu Lilli. Die Tür auf meiner Seite ging auf. Oh, war das plötzlich kalt. „Mama, ich glaub, er hat in die Decke gepinkelt. Meine Jeans ist ganz nass!“ - „Das ist nicht so schlimm. Geht alles beim Waschen raus.“ Mein Fraule nahm mich auf den Arm und trug mich ein Stück weg vom Auto.

Hier lag auch Schnee! Aber es roch ganz anders als in meinem alten Zuhause auf dem Hof. Sie setzte mich auf den Boden. Dann machte sie so ein komisches Geräusch mit dem Mund. Es klang wie… also es klang, als würde Wasser laufen. Aaah! Das tat gut. Ich machte ganz viel Pipi. „So ist er brav!“, lobte sie mich. Als ich fertig war, untersuchte ich erst mal alles. Plötzlich hörte ich Stimmen. Ein paar Menschen kamen. Es waren ein Junge und zwei größere Mädchen.

Der Junge war dieser Valentin, von dem ich schon gehört hatte. Die großen Mädchen hießen Paula und Emma. Sie gingen in die Hocke und hielten mir zur Begrüßung ihre Hände hin. Das war ja ein toller Empfang! Ich ging auch in die Hocke. Da lachten alle. Dann lief ich zu jedem hin und beschnüffelte sie. Ich erkenne jeden Menschen an seinem Geruch. Selbst wenn er weiter weg ist und ich ihn noch gar nicht sehen kann. So, wie jeder Mensch oder auch jedes Tier anders aussieht, so trägt er seinen Geruch mit sich.

Ich lief wieder zurück zu der Stelle, wo ich Pipi gemacht hatte. Ich suchte einen passenden Platz. „Ah, er macht auch gleich noch einen Haufen!“, sagte mein Fraule. „Brav! Ja, bist Du brav!“ Ich wurde noch viel mehr als nach dem Pipimachen gelobt. Ich bekam sogar ein Guti! Das fing ja gut an. Aber mir war sehr kalt. Ich zitterte. Ich habe ja eher ein dünnes Fell. Ich bin kein Wuschelhund!

„Kommt, wir gehen rein. Der Kleine zittert ja wie Espenlaub“. Fraule nahm mich hoch und trug mich ins Haus. Ein großes Haus! Mit noch anderen Menschen. Im Haus stand eine Tür offen. Es war hell in dieser Wohnung. Alles sah so neu aus, so anders. Und überall der Geruch meiner neuen Menschen. Mein Fraule setzte mich auf den Boden. Auf einen rotgemusterten Teppich. Hm ... ich schnüffelte den Teppich ab. Was war das? Das roch nicht nach Mensch! Das roch nach Tier!

Ich sah mich um. Oh! Da war plötzlich ein Hund! Er starrte mich an. Ich bellte! Er bellte auch! Ich bellte wieder. Er auch! Also was will der hier? Davon hat mir doch keiner was gesagt! Ich knurrte. Er knurrte auch! Jetzt lachten sie alle! „Das ist ein Spiegel, du Dummchen!“, sagte mein Fraule und hob mich wieder hoch. Dann ging sie ganz nah zu diesem Hund vor mir. Ich konnte ihn zwar sehen, aber nicht riechen. Jetzt sah ich mein Fraule auch in diesem Spiegel. Und mich auf ihrem Arm. Aha. Alles klar. Sachen gibt’s!

Jagdhund Muck in der BadewanneSie schnüffelte an meinem Bauch. „Uah, du riechst ganz schön nach Hundepipi. Ab ins Bad!“ Sie trug mich in ein weißes Zimmer mit einem großen Becken. Da drehte sie an einem Ding und es rauschte Wasser ins Becken. Viel Wasser! Kurz darauf saß ich im Wasser und was soll ich sagen - es war einfach großartig! Kuschlig warm war das! Sie tat was auf mich drauf, das roch ein wenig komisch und wurde weiß.

„Mama, pass auf seine Augen auf. Das brennt doch immer“, sagte Lilli. „Keine Sorge, ich wasch ihm nicht die Haare“, lachte sie. Dann kam diese komische Gießkanne. Ich bin doch kein Blumentopf! Aber das Gießkannenwasser war auch ganz warm. „Halt mal das Handtuch auf, ich hole ihn jetzt raus“, sagte das Fraule zu Lilli. Ich wurde in ein großes Handtuch gewickelt und abgerubbelt. Hach, war das schön! Hinterher durfte ich rumlaufen.

Jagdhund Muck's erste Nacht im neuen ZuhauseIch lief aus dem weißen Zimmer in den Flur. Da war ein anderes Zimmer! Und da war so eine große Stoffwiese. Ich sprang hinauf. Dort wälzte ich mich und kugelte rum. Die Kinder standen alle in der Tür und lachten. Ich grub meine Nase ganz tief in diese Decken. Es roch nach meinem Fraule und einem fremden Mann, den ich noch nicht kannte. Da hörte ich auch schon etwas. Eine tiefere Stimme. Schritte. Er blieb im Türrahmen stehen. Groß und dunkel sah er aus in seiner Jacke. Die hatte er über seinem Kopf. Da war auch etwas an seinem Kopf, das wie ein Tier aussah. „Mach mal die Kapuze ab, der Kleine kriegt ja Angst vor Dir!“, sagte mein Fraule. „Ja, das ist auch gut so! Ich bin hier nämlich der Haupt-Wolf. Damit das klar ist! Und was soll das überhaupt mit dem Hund im Bett? Der gehört da nicht hin!“ – „Ach Papa, jetzt sei doch nicht so streng, das ist doch noch ein Baby“, kam es jetzt von den Kindern. Der Mann sah mich so komisch an. Er war ganz anders als mein altes Herrle. Dann ging er die Treppe nach unten.

Die Kinder kamen alle zu mir auf die Stoffwiese und streichelten mich. Mein Fraule setzte sich zu uns. „Der gewöhnt sich schon noch an ihn“, sagte sie. „Schließlich hat er ihn mir ja endlich erlaubt. 20 Jahre lang habe ich mir einen Hund gewünscht.“ Da rief Lilli: „Ach Mama! Weißt Du was? Muck ist fast ein Weihnachtshund! In zwei Wochen ist doch Weihnachten, oder?“ Mein Fraule lachte. „Ja stimmt. So habe ich das noch gar nicht gesehen. Gut dass Du mich daran erinnerst. Ich muss unbedingt noch Plätzchen backen.“ Das Wort „Plätzchen“ kannte ich. Ich erinnerte mich sofort an den Geruch, der in meinem alten Zuhause in Südtirol in den letzten Tagen aus der Küche strömte. Das roch so süß, so gut ... und dann wurde ich sehr sehr müde.

Das lest Ihr in der nächsten Folge von Mucks Tagebuch:
Wie ich einem rotgestreiften Fellmonster mit spitzen Zähnen begegnet bin und mein erstes Weihnachten erlebte.

1 • Muck nimmt Abschied

Tag 1 

Mir ist langweilig. Das wusste auch „Erich“, eine Dogge, die nebenan wohnte. Er war oft lange Zeit allein zu Hause und begann irgendwann mit dem Schreiben. „Es geht mir viel besser, seit ich schreibe!“, sagte er immer, wenn wir uns auf der Straße trafen. Daher hatte er mir geraten, ein Tagebuch zu führen.

Mir ist aber trotzdem noch langweilig. Da hilft es auch nichts, zum Hunde-Adel zu gehören. Ich bin nämlich ein Hannoverscher Schweißhund. Mit echten Papieren als Nachweis, wer meine Hundeeltern und der Züchter sind. Aber manchmal helfen auch echte Papiere nichts. Vor allem, wenn man mit schiefen Zähnen auf die Welt gekommen ist.

Geboren wurde ich in Südtirol, das zu Italien gehört. Von den italienischen Jägern wollte mich wegen dieser Zähne keiner. Genauso wenig wollten mich die Jäger in Österreich, wo mein Vater herkommt. Und so bin ich in der Heimat meiner deutschen Mutter gelandet. Noch dazu bei einer Frau. Einer Jägerin, die ziemlich wenig Ahnung von der Führung solcher Hunde hatte. Aber sie gefiel mir.

Erste Begegnung von Muck mit seinem FrauleDazu muss ich sagen, dass wir Hunde nicht so sehr auf das Aus­sehen der Menschen ach­ten. Viel wichti­ger ist für uns, wie die Men­schen riechen! Und diese Frau roch wirk­lich gut! Ich habe sie einfach an dieser dicken Leine, die sie um den Hals trug, festge­halten. Dann sagte sie zu meinem Herrle und Züchter, dass ich ihr gefalle und sie mich nimmt. Trotz der schiefen Zähne und obwohl sie eigentlich eine Hündin wollte.

Dabei hat die Frau schon drei Mädchen zu Hause. Also was soll sie mit einem weiteren Mädchen? Sie hat auch noch einen Jungen. Er heißt Valentin.

Meinem Herrle erzählte sie, dass Valentin sich einen Hundejungen, also einen Rüden wünschte. Jungsverstärkung sozusagen. Leider war er nicht mit dabei, weil er für ein Konzert proben musste.
Mein Herrle und mein Fraule luden diese Jägerin und ihre Tochter erstmal zu Kaffee und Kuchen ein. Meine Mutter und meine Schwester, die auch noch da war, und ich durften dabeisitzen.

Leider stand der Teller mit dem Kuchen in der Mitte des Tisches, so dass ich nichts naschen konnte. Aber von meiner Mama habe ich gelernt, dass man am ehesten etwas Gutes von dem Menschenessen abbekommt, wenn man seine Stirn in Falten wirft und ganz arm schaut. So saßen wir also mit auf der Bank und schauten ganz arm. Es half, denn bald bekam ich ein kleines Kuchenhäppchen. Dann nahm mich die Frau auf den Schoß. Das gefiel mir. Am allerbesten aber gefiel mir ihre Hose. Die roch genauso wie das große Tier, das uns das Herrle mal von der Jagd mitbrachte. Ein Hirsch war das.

Gerade, als ich müde wurde, purzelte meine Schwester von der Bank und machte Pipi unter den Tisch. Und bevor ich es nachmachen konnte, hatte mich schon mein Herrle auf den Arm genommen und sagte „Den bring ich jetzt besser gleich raus.“ Draußen setzte er mich in den kalten Schnee. Es war November und wir lebten in den Bergen!

Als wir wieder im Warmen waren, holte mein Herrle ein paar Zettel und so ein kleines Buch. „Hier, das ist der Impfpass“, sagte er. Und dann haben er und die Frau etwas geschrieben. Danach und so schnell gehörte ich nicht mehr meinem Herrle und Fraule, sondern dieser Jägerin aus Deutschland, die jetzt mein neues Fraule wurde.

„Oh, es ist ja schon dunkel! Jetzt müssen wir aber heim, das sind ja gute 350 Kilometer zu fahren“, sagte das neue Fraule. Ich war schon längst wieder auf ihrem Schoß und hatte es mir gemütlich gemacht. Draußen am Auto übergab sie mich an ihre Tochter, die sich auf den Beifahrersitz gesetzt hatte. Ich rollte mich auf ihrem Schoß ein. Das war auch schön. Die Menschen reichten sich die Hände und verabschiedeten sich. Mein Herrle streichelte mir über den Kopf. „Mach’s gut, mein Kleiner“, sagte er. Leise drückte er die Tür des fremden Autos zu. Mein neues Fraule ließ den Motor an. Langsam fuhren wir aus dem Hof, wo ich sonst immer mit meinen Geschwistern rumtobte. Das neue Auto war viel lauter als das meines Herrles. Immerhin durfte ich ja vorne auf dem Schoß von Lilli, so heißt das Mädchen, sitzen.

Mucks erste Autofahrt zu seinem neuen ZuhauseEine Weile sah ich noch aus dem Fens­ter. Es schnei­te. Die dicken Flocken stürz­ten uns nur so ent­ge­gen. Mir wurde fast schwindelig. Und dann wurde ich sehr müde und drückte mich dichter an Lilli. Mein altes Fraule hatte mir noch unse­re Kuschel­decke mit­ge­geben. Da lag ich jetzt darauf. Es roch nach meiner Mutter und meiner Schwester. Ich fühlte mich wie zu Hause. Das Auto rappelte und rappelte. Irgendwann bin ich wohl eingeschlafen.

Das lest Ihr in der nächsten Folge von Mucks Tagebuch:
Mein neues Reich in der großen Stadt -
ein roter Teppich und weiße Stoff­wiesen.